Hirntumor bei älteren Patienten

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Wird zusätzlich zur verkürzten Strahlentherapie eine Chemotherapie durchgeführt, verlängern sich bei älteren Patienten mit Glioblastom die Überlebenszeiten.

Ältere Menschen, die an einem Glioblastom, einem Hirntumor, erkranken, haben oft eine ungünstige Prognose. Wie sich herausstellte, verbessern sich ihre Überlebensaussichten, wenn sie zusätzlich zur üblichen Strahlentherapie mit einer Chemotherapie mit Temozolomid behandelt werden. Doch profitieren sie auch, wenn die Strahlentherapie dabei verkürzt wird, um die Nebenwirkungen zu minimieren? Dieser Frage gingen Wissenschaftler in einer Studie nach, deren Ergebnisse sie jetzt in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine präsentierten.

An der Studie nahmen 562 Patienten ab dem 65. Lebensjahr (65 bis 90 Jahre) teil, bei denen unmittelbar zuvor ein Glioblastom diagnostiziert worden war. Sie wurden je zur Hälfte nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Therapiegruppen zugeordnet: Die eine erhielt eine sogenannte hypofraktionierte Strahlentherapie, die andere wurde zusätzlich zur hypofraktionierten Strahlentherapie mit einer Chemotherapie mit Temozolomid behandelt. Im Unterschied zur herkömmlichen Strahlentherapie ist die hypofraktionierte Strahlentherapie verkürzt, es werden höhere Einzeldosen verabreicht, dafür ist die Gesamtdosis niedriger: Während die übliche Strahlentherapie mit einer Gesamtdosis von 60 Gy über sechs Wochen in 30 Sitzungen mit jeweils 2,0 Gy verabreicht wird, erfolgt die hypofraktionierte Strahlentherapie mit insgesamt 40 Gy in nur 15 Sitzungen mit jeweils 2,67 Gy.

Die Patienten profitierten von der zusätzlichen Chemotherapie, ihre Gesamtüberlebenszeit verlängerte sich dadurch ebenso wie die Zeit, ohne dass die Krankheit weiter voranschritt. Besonders stark ausgeprägt zeigte sich dieser Überlebensvorteil bei Patienten mit einer sogenannten MGMT-Promotor-Methylierung in den Tumorzellen. Hierbei führt das Enzym O6-Methylguanin–DAN-Methyltransferase (MGMT) zu einer Hypermethylierung (verstärkte Bildung von Methylgruppen) von Promotoren, wodurch das MGMT-Gen ausgebremst wird und Schäden am Erbgut, der DNA, schlechter repariert werden können. Dies fördert die Entstehung von Krebs, ist aber auch ein guter Angriffspunkt für zytotoxische Arzneistoffe, wie sie bei der Chemotherapie zum Einsatz kommen. Von den 165 Patienten mit methylierter MGMT lebte die Hälfte derjenigen, die Strahlen- und Chemotherapie erhalten hatten, 13,5 Monate und länger, die Hälfte derjenigen, die nur bestrahlt worden waren, 7,7 Monate und länger. Das mediane Gesamtüberleben war also infolge der zusätzlichen Chemotherapie nahezu verdoppelt. Bei den Patienten mit nicht-methylierter MGMT betrug der Überlebensunterschied nur rund zwei Monate (10 Monate gegenüber 7,9 Monaten).

Hinsichtlich der Lebensqualität gab es zwischen den beiden Behandlungsgruppen keine signifikanten Unterschiede. Nach Ansicht der Studienautoren kann auch bei der verkürzten Strahlentherapie die Hinzugabe einer Chemotherapie mit Temozolomid die Überlebenszeit älterer Patienten mit Glioblastom verlängern.

 

Quelle:

Perry, J. R. et al.: Short-Course Radiation plus Temozolomide in Elderly Patients with Glioblastoma. New England Journal of Medicine 2017, 376:1027-1037

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 29.05.2017 16:54