Hirnmetastasen bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs

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Bei einzelnen Metastasen ist die Operation derzeit die wichtigste Behandlungsoption. Aber auch Strahlentherapie und gezielte systemische Therapien können wirksam sein. 

Bei etwa der Hälfte aller Patienten breitet sich nicht-kleinzelliger Lungenkrebs im Krankheitsverlauf in das Gehirn aus und bildet dort Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen. Wenn es sich nur um einzelne Metastasen handelt, können mit einer Operation gute Behandlungsergebnisse erzielt und die Lebenszeit verlängert werden. Doch ist die Behandlung, wie aus einem zusammenfassenden Artikel in der Fachzeitschrift Im Fokus Onkologie hervorgeht, noch immer eine Herausforderung für die behandelnden Ärzte, nach neuen Optionen wird weiter gesucht.

Das Gehirn ist ein bevorzugter Metastasierungsort für nicht-kleinzelligen Lungenkrebs, schon bei der Erstdiagnose ist jeder zehnte bis jeder vierte Patient davon betroffen. Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Schwindel und eine verminderte kognitive Leistungsfähigkeit sind oft die Folge und werden von den Patienten als große Einschränkung erlebt. Neben den allgemeinen supportiven Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden (Steroide, um Hirnödem zu verhindern, Antikonvulsiva gegen Krampfanfälle u.a.) sind vor allem die Operation, Strahlentherapie und neue systemische Therapien Mittel der Wahl.

Bei Patienten mit einzelnen Hirnmetastasen ist die Operation derzeit die wichtigste Therapieoption – vorausgesetzt, sie befinden sich in einem guten Allgemeinzustand, der eine Operation erlaubt, und die Tumorkrankheit ist ansonsten unter Kontrolle. Die Operationstechniken wurden verfeinert, sodass einzelne Metastasen entfernt werden können, ohne zu viel gesundes Hirngewebe in Mitleidenschaft zu ziehen. 

Die Ganzhirnbestrahlung, lange Zeit die am häufigsten eingesetzte Therapie, gerät aufgrund wirksamer Alternativen und angesichts der damit verbundenen teils schwerwiegenden Nebenwirkungen zunehmend in den Hintergrund. Die Indikation zu dieser Therapie wird heute deutlich restriktiver gestellt. Vielmehr wird gerade bei einzelnen Metastasen die stereotaktische Radiotherapie, bei der punktgenau mit hoher Dosis bestrahlt werden kann, bevorzugt. Nicht nur, dass damit eine bessere lokale Krankheitskontrolle, weniger Nebenwirkungen und eine bessere Lebensqualität bei vergleichbaren Überlebenszeiten erzielt werden können – auch ist die Behandlungszeit kürzer. Liegen mehr als fünf Metastasen im Gehirn vor, ist der Einsatz einer Ganzhirnbestrahlung allerdings oft unvermeidlich.

Bei Patienten mit bestimmten genetischen Veränderungen in den Tumorzellen, sogenannten Treibermutationen, kann eine zielgerichtete systemische Therapie mit Tyrosinkinasehemmern (TKI) durchgeführt werden. Dabei sind sogenannte EGFR („epidermal growth factor receptor“)-TKI der neueren Generation (Afatinib, Osimertinib) und ALK („anaplastische Lymphomkinase“)-TKI wie Crizotinib, Ceritinib, Alectinib und Brigatinib wirksam. Bei Patienten, deren Tumor nicht diese therapierbaren Treibermutationen aufweist, wird in der Regel eine platinbasierte Chemotherapie eingesetzt.

Für neuartige Immuntherapien liegen bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs und Hirnmetastasen derzeit nur begrenzte Erfahrungen vor, weil diese Patienten bislang aus den meisten klinischen Studien ausgeschlossen wurden. Doch gibt es erste Hinweise vor allem aus Einzelfallberichten, dass auch PD-1-Antikörper eine Wirkung erzielen könnten. Hierzu sind in der Zukunft entsprechende aussagekräftige Untersuchungen notwendig.

 

Quelle:

Reinmuth N & Würschmidt F. et al. Besondere klinische Herausforderung. ZNS-Befall bei Patienten mit NSCLC. Im Fokus Onkologie 2018, 21(4):54-60

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 25.09.2018 17:42