Haarausfall: Bei Chemotherapie oft unvermeidlich

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Am besten können Krebspatienten einen Haarausfall bei Chemotherapie verkraften, wenn sie vorab gut darüber informiert werden und sich vorbereiten.

Eine der von Patienten am meisten gefürchteten Nebenwirkungen einer Chemotherapie gegen Krebs ist Haarausfall. Er lässt sich allen Forschungsbemühungen um verträglichere Wirkstoffe zum Trotz bislang kaum verhindern. Die Betroffenen können Haarausfall offenbar besser tolerieren, wenn sie im Vorfeld gut darüber aufgeklärt werden. Darüber berichtet ein Artikel in der Fachzeitschrift Ästhetische Dermatologie.

Nicht alle Chemotherapeutika verursachen Haarausfall

Die Wirkstoffe einer Chemotherapie bewirken nicht alle gleichermaßen Haarausfall – die Art der Wirkstoffe ist entscheidend, aber auch die Art ihrer Verabreichung, die Dosis und die Therapieregime spielen für die Stärke des zu erwartenden Haarausfalls eine Rolle. Einige Chemotherapeutika verursachen überhaupt keinen Haarausfall. Grund für die Nebenwirkung ist der Umstand, dass viele Chemotherapeutika sich rasch teilende Zellen angreifen, zu denen auch die Haarwurzelzellen zählen. Auch die Verengung des Haarfollikeldurchmessers und die dadurch bedingte Verengung des Haarschafts können eine Rolle spielen, in diesem Fall brechen die Haare ab.

Nicht nur die Kopfhaare gehen aus

Nicht nur die Kopfhaare sind betroffen, auch Schamhaare, Achselhaare und Gesichtshaare (Wimpern, Augenbrauen) fallen aus. Im Allgemeinen fängt der Haarausfall sieben bis zehn Tage nach Beginn der Chemotherapie an. Er beginnt zunächst im Scheitelbereich und seitlich über den Ohren. Die meisten Haare gehen in den ersten beiden Monaten der Therapie oder auch in den ersten zwei bis drei Wochen nach Therapieende verloren. Meist dauert es drei bis sechs Monate, bis der Kopf wieder vollständig mit Haaren bedeckt ist.

Sich gut darauf vorbereiten

Vor allem Frauen fühlen sich von dem Ausgehen ihrer Haare oft äußerst betroffen. Die Situation, morgens beim Aufstehen die Haare büschelweise im Bett zu finden, ist für viele nahezu unerträglich – fühlt es sich doch so an, als ginge mit dem Haarverlust auch ein Verlust von Identität einher. Es kann helfen, so zeigen die Ergebnisse mehrerer Studien, wenn die Patienten vorher über das Geschehen gut aufgeklärt werden. Dies gibt ihnen die Möglichkeit, sich mental vorzubereiten und auch Gegenmaßnahmen zu ergreifen. So können Haarbüschel im Bett durch das Tragen eines Haarnetzes und Kissen mit Seidenbezug verringert werden. Für das Kämmen werden Kämme mit großem Zinkenabstand oder weiche Bürsten empfohlen, tägliches Haarewaschen sollte vermieden werden. Frauen werden ermuntert, sich einen Kurzhaarschnitt zuzulegen. Zudem wird empfohlen, eine geeignete Perücke auszusuchen, solange die eigenen Haare noch vorhanden sind, so dass sie den natürlichen Haaren in Farbe, Textur und Stil am besten angepasst werden kann. Frauen mit langen Haaren können sich sogar eine Perücke aus Eigenhaar anfertigen lassen. Wird das Tragen einer Perücke als Belastung empfunden, sind Kopftücher oder Hüte eine Alternative. Die haarlose Kopfhaut muss mit Sonnen- und Kälteschutz gepflegt werden, spezielle Cremes, Salben oder Öle können gegen Hautirritationen oder Juckreiz helfen.

Oft verändern sich die Haare, wenn sie wiederkommen

Auch wenn die Haare wieder zu wachsen beginnen, müssen sich die Betroffenen auf mögliche Veränderungen einstellen – die Haare sind nicht selten anders als vor der Chemotherapie: In manchen Fällen sind sie dunkler, mitunter werden sie grau, sie können gewellter, aber auch dünner sein oder sich rauer anfühlen. 

 

Quelle:

Oberhofer, E. et al.: Was Krebspatientinnen hilft, die Zeit ohne Haare zu überstehen. Ästhetische Dermatologie 2016, 3:24-26

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.10.2017 17:07