Gespräch über die Diagnose: Was ist wichtig?

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Wissenschaftler untersuchten, welche Punkte Prostatakrebspatienten besonders am Herzen liegen, wenn ihnen ihr Arzt schlechte Nachrichten zu überbringen hat.

Der Überbringer schlechter Botschaften wird bestraft – dies war der Überlieferung zufolge in der griechischen Antike gang und gäbe. Für Ärzte ist es eine besonders unangenehme Aufgabe, Patienten schlechte Nachrichten wie eine Krebsdiagnose mitteilen zu müssen. Wissenschaftler aus Deutschland beschäftigten sich mit der Frage, was den Patienten in einem solchen Gespräch besonders am Herzen liegt. Sie präsentierten ihre Ergebnisse anlässlich der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) Ende Mai in Chicago.

In der Studie wurden Prostatakrebspatienten gebeten, 46 Fragen zu beantworten, wobei sie sich jeweils auf einer Skala von 1 („gar nicht wichtig“) bis 5 („ganz wichtig und sollte von jedem Arzt geleistet werden“) entscheiden sollten. 709 Patienten füllten den Fragebogen aus. Ihr Durchschnittsalter lag bei 72 Jahren. Der Zeitpunkt der Prostatakrebsdiagnose lag bei der Hälfte der Patienten mindestens vier Jahre zurück. Zwei Drittel der Teilnehmer hatten eine Ausbildung abgeschlossen, zwei Fünftel hatten einen akademischen Abschluss (Hochschule, Universität).

Für ein Gespräch mit unangenehmen Neuigkeiten kristallisierten sich drei Punkte als wichtigste heraus: Die Teilnehmer wünschten sich Diskretion, gutes Fachwissen des Arztes und Vollständigkeit der Informationen. Schlechte Nachrichten sollten demnach von einem Arzt überbracht werden, der sich auf dem neuesten Stand der Forschungen befindet und alle relevanten Informationen über die Krankheit und ihre Behandlung liefern kann. Am wenigsten wichtig stuften die Teilnehmer emotionale Unterstützung, Informationen über Angebote für psychosoziale Unterstützung und den Einbezug der Familie ein. Letzteres galt vor allem für jüngere Patienten sowie für gebildetere Patienten, die ihre Diagnose erst kürzlich erhalten hatten.

Nach Ansicht der Studienautoren habe die Art und Weise, in der der behandelnde Arzt einem Patienten die Diagnose Prostatakrebs überbringt, einen großen Einfluss darauf, wie gut die Patienten mit der Erkrankung umgehen können und wie sich ihre Lebensqualität unter der Krankheit gestaltet.

 

Quelle:

Merseburger, A. S. et al.: How patients prefer to learn that they have cancer: Results of a survey on patients’ preference for communication in prostate cancer using the MPP-d (German version of the Measure of Patients’ Preferences). Journal of Clinical Oncology 2015, 33 (suppl; abstr e20591)

(kvk)

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Aktualisiert am: 24.07.2017 16:49