Gentherapie bei akuter lymphatischer Leukämie und B-Zell-Lymphom zugelassen

In bestimmten Fällen darf in Europa künftig die CAR-T-Zelltherapie angewendet werden.

Erstmals können nun auch in Europa Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre, die an akuter lymphatischer Leukämie (ALL) aus B-Vorläuferzellen erkrankt sind und auf andere Therapien nicht ausreichend ansprechen oder schon Rückfälle erlebt haben, künftig mit einer Gentherapie, einer sogenannten CAR-T-Zelltherapie, behandelt werden. Ebenfalls zugelassen wurde diese Therapie für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit wiedergekehrtem oder nicht ansprechendem diffus-großzelligem B-Zell-Lymphom nach mindestens zwei systemischen, also im ganzen Körper wirkenden Behandlungen. Normalerweise ist die Prognose der Betroffenen in diesen Situationen ungünstig, eine Behandlung kaum noch möglich. Mit der neuartigen Gentherapie jedoch lässt sich, so zeigt es eine Studie in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine, die Krankheit bei vielen Patienten gut zurückdrängen.

Die Zulassung erfolgt für Tisagenlecleucel. Dabei handelt es sich um sogenannte CAR-T-Zellen (engl. chimeric antigen receptor T cells), die für jeden Patienten individuell gewonnen werden. Grundsätzlich kann die CAR-T-Zelltherapie bei allen Krebserkrankungen eingesetzt werden, die sich von den B-Lymphozyten des Immunsystems ableiten. Mithilfe eines speziellen Verfahrens werden zunächst T-Lymphozyten aus dem Blut des Patienten gewonnen und mit einem Gen für eine Bindungsstelle (Antigenrezeptor, CAR) bestückt. Wenn die so behandelten T-Zellen den Patienten zurückgegeben werden, können sie dank des Antigenrezeptors CAR das Eiweiß CD19 auf der Oberfläche der erkrankten B-Vorläuferzellen erkennen, wenn dieses dort ausgebildet wird. Dadurch wird die körpereigene Immunantwort gegen den Krebs angekurbelt.

In der Studie waren 75 Kinder und Jugendliche mit ALL, die nicht mehr ausreichend auf andere Therapien ansprachen bzw. einen Rückfall erlebt hatten, mit einer Tisagenlecleucel-Infusion behandelt worden. Drei Monate nach dieser Therapie hatten 81% der Behandelten darauf angesprochen. Nach sechs Monaten waren noch 90% der Patienten am Leben, nach zwölf Monaten 76%. Krankheitsfrei waren nach sechs Monaten noch 73% der Patienten und nach zwölf Monaten noch die Hälfte.

Da bei der neuen Therapie schwere Nebenwirkungen auftreten können, kann sie nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Die von den mit CAR ausgestatteten T-Zellen freigesetzten Botenstoffe (Zytokine) können eine lebensgefährliche Erkrankung mit hohem Fieber und grippeähnlichen Symptomen auslösen, das sogenannte Zytokin-Freisetzungssyndrom. Akutes Nierenversagen, Blutdruckabfall, neurologische Beschwerden und ein Sauerstoffmangel können die Folge sein. Das Infektionsrisiko ist über längere Zeit erhöht, weil auch die gesunden mit CD19 ausgestatteten B-Zellen von den CAR-T-Zellen befallen und zerstört werden. Die meisten Nebenwirkungen traten in der Studie relativ rasch nach der Infusion auf und gingen innerhalb der ersten acht Wochen wieder stark zurück.

 

Quellen:

Meldung Deutsches Ärzteblatt vom 28. August 2018

Maude S L et al. Tisagenlecleucel in Children and Young Adults with B-Cell Lymphoblastic Leukemia. New England Journal of Medicine 2018,378:439-48

 

(KvK)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Basis-Infos für Patienten zum Thema Leukämie

Weitere Nachrichten zum Thema Leukämie

Zurück

Aktualisiert am: 21.09.2018 13:53