Genetisch bedingter Brustkrebs in jungen Jahren

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Die Überlebenschancen sind nicht schlechter.

Frauen, die eine Veränderung (Mutation) in einem der sogenannten Brustkrebsgene BRCA 1 oder 2 tragen, haben ein erhöhtes Risiko, schon in jungen Jahren an Brustkrebs zu erkranken. Ihre Überlebensaussichten im Falle einer Erkrankung sind jedoch nicht schlechter als diejenigen von jungen Brustkrebspatientinnen, die diese Mutationen nicht aufweisen. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie aus Großbritannien, deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift Lancet Oncology veröffentlicht wurden.

In die Studie wurden 2.733 Frauen einbezogen, bei denen im Alter von 18 bis 40 Jahren Brustkrebs diagnostiziert wurde. Zwölf Prozent von ihnen trugen eine BRCA1- oder BRCA2-Mutation. Ihre Überlebensaussichten waren, wie sich in den folgenden Beobachtungsjahren zeigte, nicht schlechter als diejenigen der Nicht-BRCA-Mutationsträgerinnen: Nach zwei Jahren waren jeweils noch 97 Prozent der Patientinnen am Leben, nach fünf Jahren 84-85 Prozent, nach zehn Jahren 73 Prozent der BRCA-Mutationsträgerinnen und 70 Prozent der Nicht-BRCA-Mutationsträgerinnen. 

Einen bemerkenswerten Unterschied gab es bei den Patientinnen mit sogenanntem triple-negativem Brustkrebs. Diese Tumoren machen ca. 10 bis 15 Prozent aller bösartigen Brusttumoren aus, sie sind weder empfindlich für die Wirkung von Hormonen (Östrogen- und Progesteron-Rezeptor-negative Tumoren), noch ist bei ihnen HER2 übermäßig ausgebildet (HER2-negative Tumoren). Ihre Prognose ist im Allgemeinen schlechter als diejenige anderer bösartiger Brusttumoren. In der vorliegenden Studie nun hatten Frauen mit triple-negativem Tumor zumindest kurzzeitig sogar bessere Überlebenschancen, wenn sie eine BRCA-Mutation trugen: Nach zwei Jahren waren von ihnen 95 Prozent noch am Leben, bei den Nicht-BRCA-Mutationsträgerinnen waren es 91 Prozent. Dieser Unterschied war signifikant und blieb auch bestehen, wenn in der Analyse nur diejenigen Patientinnen berücksichtigt wurden, die sich nach der ersten Brustkrebsdiagnose nicht vorbeugend auch die zweite Brust entfernen ließen. Die Unterschiede im Gesamtüberleben nach fünf (81 Prozent gegenüber 74 Prozent) und zehn Jahren (72 Prozent gegenüber 69 Prozent) waren statistisch nicht mehr signifikant.

Offenbar, so die abschließende Interpretation der Studienautoren, haben Frauen, die in jungen Jahren an Brustkrebs erkranken, keine ungünstigere Prognose, wenn sie eine BRCA-Mutation tragen. Innerhalb der ersten beiden Jahre nach der Diagnose sei die Überlebenswahrscheinlichkeit sogar größer als bei Nicht-BRCA-Mutationsträgerinnen. Die Studie zeige auch, dass ein großer Anteil der Frauen, die bis zum 40. Lebensjahr an Brustkrebs erkranken, tatsächlich eine Mutation in den Brustkrebsgenen BRCA tragen.

 

Quelle:

Copson E R et al. Germline BRCA mutation and outcome in young-onset breast cancer (POSH): a prospective cohort study. Lancet Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 11. Januar 2018, http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(17)30891-4

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.06.2018 13:22