Gegen Leistungseinbußen antrainieren

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Unter einer Hormontherapie bei Prostatakrebs kann es zu Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit kommen. Um dem entgegenzuwirken, wird körperliches Training empfohlen

Eine Therapie zur Unterdrückung der Wirkung männlicher Sexualhormone, Androgendeprivationstherapie genannt, ist in vielen Fällen von Prostatakrebs unvermeidlich. Sie hilft, die Erkrankung unter Kontrolle zu halten und die Lebenszeit zu verlängern. Allerdings bleibt sie nicht folgenlos: Die physische Leistungsfähigkeit der Betroffenen und deren Lebensqualität können über einen längeren Zeitraum darunter leiden. Wissenschaftler berichten darüber in der Fachzeitschrift Cancer und empfehlen, diesen Nebenwirkungen durch körperliches Training rechtzeitig vorzubeugen.

An der Studie hatten Männer mit Prostatakrebs teilgenommen, der sich noch nicht in andere Organe ausgebreitet hatte. Sie begannen mit einer Androgendeprivationstherapie. Als Kontrollgruppen dienten Prostatakrebspatienten, die keine Hormontherapie durchführten, und gesunde Männer. Die Teilnehmer der drei Gruppen waren hinsichtlich des Lebensalters und Bildungsstands ausgeglichen.

Die körperliche Leistungsfähigkeit wurde anhand des Sechs-Minuten-Gehtests (Ermittlung der Gehstrecke, die ein Patienten innerhalb von sechs Minuten in ebenem Gelände zurücklegen kann), eines Tests zur Griffstärke und eines Tests zur Zeitdauer für Aufstehen und Gehen (Timed Up and Go test, TUG) gemessen. In den beiden Kontrollgruppen stabilisierte sich der Sechs-Minuten-Gehtest nach einer anfänglichen Verbesserung – bei den Patienten mit Androgendeprivationstherapie blieb er unverändert. Die Griffstärke verschlechterte sich in den ersten drei Monaten der Hormontherapie und blieb danach auf niedrigerem Niveau stabil. Die Kontrollpatienten erlebten keine Veränderung der Griffstärke. Auch im TUG-Test kam es bei den mit Hormontherapie behandelten Patienten zu graduellen Verschlechterungen, nicht jedoch bei den Kontrollpatienten.

Während die mentale Lebensqualität in allen drei Patientengruppen unverändert blieb, verschlechterte sich die körperbezogene Lebensqualität unter der Androgendeprivationstherapie. Alle Einschränkungen, die bei den Patienten mit Hormontherapie im ersten Jahr der Behandlung beobachtet wurden, blieben über drei Jahre bestehen. Sie traten unabhängig vom Alter der Patienten auf.

Die Studienautoren vermuten, dass körperliches Training den Leistungseinschränkungen unter Androgendeprivationstherapie beim Prostatakarzinom entgegenwirken könne. Allen Patienten solle deshalb entsprechender Sport empfohlen werden, sofern der allgemeine Gesundheitszustand dies zulasse.

 

Quelle:

Alibhai, S. M. H. et al.: Long-term impact of androgen-deprivation therapy on physical function and quality of life. Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 24. März 2015, DOI: 10.1002/cncr.29355

(kvk)

 

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Aktualisiert am: 23.05.2017 17:55