Gegen den Haarausfall: Die Kopfhaut vor der Chemotherapie kühlen

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In einer Studie konnte durch die Anwendung von Kältekappen in der Hälfte der Fälle dem Haarausfall bei einer Chemotherapie gegen Brustkrebs vorgebeugt werden.

Dank der immer effizienteren Therapien, darunter auch der Chemotherapie, können viele Frauen mit Brustkrebs die Krankheit überleben. Doch die Nebenwirkungen sind mitunter hart, weshalb sich die Forschung auch auf deren Vorbeugung und Behandlung konzentriert. Nun berichteten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift JAMA, dass dem bei einer Chemotherapie drohenden Haarausfall (Alopezie) mithilfe sogenannter Kältekappen („scalp cooling“) vorgebeugt werden kann. 

Der Haarverlust wird von Brustkrebspatientinnen oft als besonders belastend empfunden – die Krankheit wird dadurch nach außen sichtbar und die äußere Erscheinung ändert sich gegen den eigenen Willen. An der US-amerikanischen Studie nahmen 182 Patientinnen mit Brustkrebs im Stadium I oder II teil, die sich einer Chemotherapie mit Taxanen und/oder Anthrazyklinen unterzogen. 119 Patientinnen wendeten zur Vorbeugung von Haarausfall eine Kältekappe an, die anderen 63 nicht. Hierbei wird über eine spezielle Kappe Kälte auf die Kopfhaut appliziert, wodurch sich die Blutgefäße zusammenziehen und die Kopfhaut weniger stark durchblutet wird. Die Idee ist simpel: Infolge der geringeren Durchblutung gelangen weniger Chemotherapeutika an die Haarfollikel, sodass diese in geringerem Maße geschädigt werden können. Zudem geht die Stoffwechselaktivität der Haarzellen durch die Kälte zurück, wodurch sie den zytotoxischen Medikamenten ebenfalls weniger Angriffsfläche bieten.

Für die jetzt publizierte Zwischenauswertung wurden die Daten von 142 Patientinnen berücksichtigt. Am Ende des vierten Chemotherapiezyklus’ hatte die Hälfte der mit den Kältekappen behandelten Patientinnen noch alle Haare behalten oder weniger als die Hälfte ihrer Haare verloren. In der Kontrollgruppe hingegen war keine Patientin einem Haarausfall von mehr als 50 Prozent des Ausgangswertes entgangen. In den meisten Fällen wurde die Kältekappe gut vertragen, Nebenwirkungen waren vor allem trockene oder schmerzende Kopfhaut, Kältegefühl, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Juckreiz. 

Nach Ansicht der Studienautoren könne bei Brustkrebspatientinnen, die eine Haar-schädigende Chemotherapie durchlaufen, die Anwendung von Kältekappen womöglich eine gute Methode sein, dem drohenden Haarverlust vorzubeugen. Bevor endgültige Aussagen getroffen werden könnten, müssten allerdings noch Langzeitergebnisse abgewartet werden. 

 

Quelle:

Nangia, J. et al.: Effect of a Scalp Cooling Device on Alopecia in Women Undergoing Chemotherapy for Breast Cancer. The SCALP Randomized Clinical Trial. JAMA 2017;317(6):596-605

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 28.07.2017 16:25