Gebärmutterhalskrebs: Vielfältiger als gedacht

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In genetischer und molekularbiologischer Hinsicht ist Gebärmutterhalskrebs offenbar vielfältiger als bislang vermutet wurde. Und es gibt offenbar ein Entstehungsszenario, das unabhängig von HPV-Infektionen stattfinden kann.

Gebärmutterhalskrebs ist nicht gleich Gebärmutterhalskrebs. Was bei vielen anderen Krebsarten schon lange nachgewiesen wurde, gilt offenbar auch beim Zervixkarzinom: Es ist hinsichtlich seiner genetischen Eigenschaften viel heterogener als bislang vermutet wurde. Untersuchungen des Erbmaterials verschiedener Tumoren des Gebärmutterhalses, deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurden, lassen diesen Schluss zu. Und eine zweite Überraschung in diesem Zusammenhang: Offenbar längst nicht alle Gebärmutterhalskarzinome werden durch humane Papillomviren (HPV) ausgelöst.

Die Forscher des Cancer Genome Atlas (TCGA) Research Network untersuchten 178 Tumoren hinsichtlich deren genetischer und molekularbiologischer Eigenschaften. Bei einigen wenigen Tumoren konnten sie keinen Hinweis auf eine Infektion mit HPV ausmachen. Zudem unterschieden sich diese Tumoren zumeist von den übrigen Karzinomen des Gebärmutterhalses deutlich, ja zeigten eher Ähnlichkeiten mit Gebärmutterkörperkrebs, dem Endometriumkarzinom. 

Die überwiegende Mehrheit der untersuchten Tumoren allerdings stand in ursächlichem Zusammenhang mit einer HPV-Infektion. Dennoch fanden sich auch bei diesen Tumoren große Unterschiede in bestimmten genetischen oder molekularbiologischen Eigenschaften. So identifizierten die Forscher etwa sogenannte Plattenepithelkarzinome, die von der obersten Zellschicht der Schleimhaut, dem Plattenepithel, ausgehen, und viele oder wenige Keratin-Gene exprimierten. Auch Adenokarzinome fanden sich, die sich aus Drüsengewebe entwickeln. Bestimmte Gene wurden von manchen Tumoren vermehrt gebildet, von anderen nicht. Diese Erkenntnisse könnten, so die Studienautoren, in der Praxis Auswirkungen für die Entwicklung wirksamer Therapien haben - etwa die Anwendung von Checkpointblockern, die an bestimmten Schaltstellen der Krebszellen wirken, sofern diese bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

 

Quellen:

The Cancer Genome Atlas Research Network: Integrated genomic and molecular characterization of cervical cancer. Nature, Onlinevorabveröffentlichung am 23. Januar 2017, doi:10.1038/nature21386

Pressemitteilung des NCI Press Office vom 23. Januar 2017; https://cancergenome.nih.gov/newsevents/newsannouncements/cervical_2017

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 23.06.2017 11:26