Frühes Hodgkin-Lymphom im Kindesalter: Chemo- mit Strahlentherapie oder ohne?

Nachricht vom 18.03.2023

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Es hängt offenbar von bestimmten Risikofaktoren ab, ob auf eine Strahlentherapie nach der Chemotherapie verzichtet werden kann oder nicht. Ein gutes Ansprechen auf die Chemo ist Voraussetzung.

Wenn Kinder und Jugendliche, die an einem Hodgkin-Lymphom im Frühstadium erkrankt sind, gut auf die übliche Chemotherapie ansprechen, benötigen sie unter Umständen keine zusätzliche Bestrahlung. Dadurch können langfristige Nebenwirkungen, die mit der bislang noch standardmäßig durchgeführten Strahlentherapie verbunden sind, vermieden werden. Darauf lassen die Ergebnisse der EuroNet-PHL-C1-Studie schließen, die in der Fachzeitschrift Lancet Oncology veröffentlicht wurden.

Für die Studie, die in 16 europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, durchgeführt wurde, konnten insgesamt 2.102 Patienten unter 18 Jahren gewonnen werden, bei denen ein Hodgkin-Lymphom im Stadium IA, IB oder IIA diagnostiziert worden war. Sie erhielten zwei Zyklen der üblichen Chemotherapie. Sprachen sie darauf gut an, wurde auf eine weitere Behandlung verzichtet. Bei nicht ausreichendem Ansprechen schloss sich die übliche Strahlentherapie an.

713 Patienten zeigten eine gute Tumorantwort auf die Chemotherapie, weshalb bei ihnen auf die Strahlentherapie verzichtet wurde. 440 von ihnen wurden in die aktuelle Analyse einbezogen. 273 Patienten hingegen sprachen nicht ausreichend auf die Chemotherapie an und erhielten deswegen eine zusätzliche Strahlentherapie. Bei den Patienten, die nicht ausreichend ansprachen, lagen häufiger Risikofaktoren vor.

Nach fünf Jahren betrug das ereignisfreie Überleben in der Chemo-Strahlentherapiegruppe knapp 89 Prozent und in der Chemotherapiegruppe 86,5%. Damit wurde die Rate an ereignisfreiem Überleben von 90%, die von den Studienforschern angepeilt worden war, verpasst. Da sich jedoch die Ergebnisse in den beiden Behandlungsgruppen nicht nennenswert voneinander unterschieden, schlossen die Studienautoren, dass eine zusätzliche Strahlentherapie bei jungen Patienten, die im Frühstadium ohne besondere Risikofaktoren gut auf die Chemotherapie ansprechen, nicht notwendig sei. Dagegen sei die Behandlung bei Hodgkin-Lymphomen mit Risikofaktoren intensiver zu gestalten, um für die Betroffenen gute Heilungsaussichten zu schaffen. Ein solcher Risikofaktor liegt zum Beispiel vor, wenn viel Tumormasse („bulky disease“) vorhanden ist.

 

Quelle:

Mauz-Körholz C et al. Response-adapted omission of radiotherapy in children and adolescents with early-stage classical Hodgkin lymphoma and an adequate response to vincristine, etoposide, prednisone, and doxorubicin (EuroNet-PHL-C1): a titration study. Lancet Oncology 2023; 24:252-61

 

(KvK)

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