Fortgeschrittenes malignes Melanom: Neue Therapien im klinischen Alltag

Nachricht vom 19.01.2023

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Immuntherapie und zielgerichtete Therapie wirken zuverlässig und sicher, frühe Krankheitsrückfälle bleiben jedoch ein Problem.

Mit der Einführung der neuen Immuntherapie mit Checkpointblockern und der zielgerichteten Therapie mit BRAF-/MEK-Hemmern haben sich die Überlebensaussichten von Patienten mit fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs, dem malignen Melanom, erheblich verbessert. Die Behandlungserfolge, die mit diesen Wirkstoffen in klinischen Studien nachgewiesen wurden, zeigen sich auch im realen klinischen Alltag. Darauf verweisen Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Journal of European Academy of Dermatology and Venereology nach einer neuen Auswertung von Patientendaten.

In der rückblickenden Studie wurden die Daten von 1.198 Patienten mit malignem Melanom im Stadium III-IV aus 39 Hautkrebszentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz analysiert. Alle hatten außerhalb klinischer Studien nach der Operation je nach den histologischen Eigenschaften des Tumors eine unterstützende adjuvante Immuntherapie mit einem Checkpoint-PD1-Blocker oder eine zielgerichtete Therapie mit einem BRAF- und einem MEK-Hemmer erhalten – bei der Mehrheit der Patienten war es eine Immuncheckpointblockade.

Nach zwölf Monaten waren von den mit einem Immuncheckpointblocker behandelten Patienten noch 78%, also gut drei Viertel, ohne Krankheitsrückfall, von den mit BRAF-/MEK-Hemmern Behandelten rund 87%. Nach rund eineinhalb Jahren waren in beiden Gruppen noch 96% bzw. 97% der Patienten am Leben. Im gesamten Beobachtungszeitraum kam es bei einem Drittel der mit einem Immuncheckpointblocker behandelten Patienten und einem Viertel der mit BRAF-/MEK-Hemmern behandelten Patienten zu einem Rückfall.

Ob die Patienten eine Biopsie des Sentinellymphknotens erhalten hatten oder ob ihre Lymphknoten vollständig entfernt worden waren (Lymphknotendissektion) machte beim rückfallfreien Überleben oder Gesamtüberleben in den beiden Behandlungsgruppen keinen Unterschied. Durch die totale Entfernung von Lymphknoten konnte also das Risiko für einen frühen Rückfall nicht gesenkt werden.

Insgesamt wurden die Therapien gut vertragen, es traten offenbar seltener schwere Nebenwirkungen auf, als aus klinischen Studien berichtet wurde.

 

Offenbar, so das Fazit der Studienautoren, sind die Immuncheckpointblocker- und zielgerichtete BRAF-/MEK-Hemmertherapie auch im klinischen Alltag bei fortgeschrittenem Melanom erfolgversprechend und verträglich. Dennoch bleiben frühe Rückfälle, die bei einem Teil der Patienten auftreten, eine große Herausforderung.

 

Quelle:

Schumann K et al. Real-world outcomes using PD-1 antibodies and BRAF + MEK inhibitors for adjuvant melanoma treatment from 39 skin cancer centers in Germany, Austria and Switzerland. Journal of European Academy of Dermatologie and Venereology 2022; https://doi.org/10.1111/jdv.18779

 

(KvK)

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