Fortgeschrittener Mundrachenkrebs: Strahlenchemotherapie sollte Standard bleiben

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Die Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie mit Cisplatin hat sich als überlegen herausgestellt.

Bei fortgeschrittenem Mundrachenkrebs, der mit humanen Papillomviren (HPV) in Verbindung steht, ist eine kombinierte Strahlenchemotherapie Standard. Das sollte laut den Ergebnissen einer Studie in der Fachzeitschrift Lancet Oncology auch so bleiben.

An der Studie nahmen 334 Patienten ab 18 Jahren aus Irland, den Niederlanden und Großbritannien teil, die an lokal fortgeschrittenem HPV-positivem Mundrachenkrebs erkrankt waren. Ihr Rückfallrisiko wurde als niedrig eingestuft, erstens, weil der Tumor HPV-positiv war, was per se mit einer besseren Prognose verbunden ist, und zweitens, weil sie entweder Nichtraucher waren oder im Laufe ihres Lebens weniger als zehn Packungsjahre geraucht hatten. Die Anzahl der Packungsjahre berechnet sich anhand der Anzahl der pro Tag verbrauchten Zigarettenpackungen x Jahre, die geraucht werden. Ein Packungsjahr entspricht einer Packung gerauchter Zigaretten pro Tag während eines Jahres.

Die Teilnehmer erhielten eine Strahlentherapie plus entweder Chemotherapie mit Cisplatin oder den EGFR-Antikörper Cetuximab. Letzterer richtet sich gegen den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor EGFR und hat sich bei bösartigen Tumoren im Kopf-Halsbereich ebenso wie die Chemotherapie bereits bewährt.

Nach zwei Jahren waren in der Strahlen-Chemotherapiegruppe signifikant mehr Patienten noch am Leben als in der Strahlen-Antikörpertherapiegruppe. Auch hatten signifikant weniger Patienten nach der Chemotherapie einen Rückfall erlitten. Bezüglich akuter und später schwerer Nebenwirkungen gab es hingegen zwischen den beiden Gruppen keinen Unterschied.

Offenbar können Patienten mit lokal fortgeschrittenem Mundrachenkrebs mehr davon profitieren, wenn sie zur Strahlentherapie eine Chemotherapie mit Cisplatin erhalten, als wenn sie mit Strahlentherapie und dem EGFR-Antikörper Cetuximab behandelt werden, so die Interpretation der Studienautoren. Die Hoffnung darauf, mit dem Antikörper eine verträglichere, aber ebenso effiziente Therapieoption wie mit der Chemotherapie zu erhalten, erfülle sich somit nicht. Bei allen Patienten, die Cisplatin vertragen, solle die Kombination aus Strahlentherapie und Cisplatin deshalb Standard bleiben.

 

Quelle:

Mehanna H et al. Radiotherapy plus cisplatin or cetuximab in low-risk human papillomavirus-positive oropharyngeal cancer (De-ESCALaTE HPV): an open-label randomised controlled phase 3 trial. Lancet Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 15. November 2018, http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(18)32752-1

 

(KvK)

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Aktualisiert am: 11.12.2018 16:42