Follikuläres Lymphom: Therapie mit neuem Antikörper

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Ein neuer Anti-CD20-Antikörper kann bei bis dato unbehandelten Patienten die Krankheit länger zum Stillstand bringen als der bisherige Standard.

Die Aussichten von Patienten mit follikulärem Lymphom haben sich, seitdem die kombinierte Immunchemotherapie mit dem Anti-CD20-Antikörper Rituximab eingesetzt werden kann, deutlich verbessert. Nun präsentierten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine die Behandlungsergebnisse mit einem neuen Anti-CD20-Antikörper namens Obinutuzumab bei zuvor unbehandelten Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung.

1.202 Patienten nahmen an der Studie teil. Sie erhielten - nach dem Zufallsprinzip ausgewählt – entweder eine Einleitungstherapie mit Obinutuzumab und Chemotherapie oder mit Rituximab und Chemotherapie. Die Patienten, die auf die Behandlung ansprachen, wurden bis zu zwei Jahre lang mit einer Erhaltungstherapie mit demselben Antikörper weiterbehandelt, den sie in der Einleitung erhalten hatten. 

Nach rund drei Jahren Beobachtungszeit zeigte sich nun in einer Zwischenanalyse, dass die mit Obinutuzumab behandelten Patienten ein geringeres Risiko dafür hatten, dass die Krankheit weiter voranschreitet. Auch das Rückfallrisiko und das Risiko, an der Erkrankung zu versterben, waren niedriger als bei den mit Rituximab behandelten Patienten. So waren nach drei Jahren beispielsweise noch 80 Prozent der Patienten in der Obinutuzumabgruppe krankheitsfrei, in der Rituximabgruppe waren es 73 Prozent. In beiden Behandlungsgruppen hatten jeweils fast neun von zehn Patienten auf die Therapie angesprochen.

In der Obinutuzumabgruppe traten mehr Nebenwirkungen Grad 3-5 als in der Rituximabgruppe auf, gleiches betraf schwerwiegende Ereignisse. In beiden Gruppen gab es die gleiche Zahl schwerer Komplikationen, die zum Tode führten (bei vier bzw. dreieinhalb Prozent der Patienten). Besonders häufig waren Infusionsreaktionen, Übelkeit und eine Verringerung weißer Blutzellen (Neutropenie).

Offenbar, so die Zusammenfassung der Studienautoren, könne eine einleitende Obinutuzumab-basierte Immunchemotherapie gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Obinutuzumab Erkrankungen am follikulären Lymphom länger zum Stillstand bringen als entsprechende Rituximab-basierte Therapien. Auf die höhere Zahl von Nebenwirkungen müsse dabei allerdings geachtet werden.

Die Therapie bei Non-Hodgkin-Lymphomen, zu denen das follikuläre Lymphom zählt, mit einem Anti-CD-20-Antikörper ist nur dann sinnvoll, wenn die Krebszellen das Oberflächenmolekül CD20 aufweisen. Dieses Oberflächenantigen wird hauptsächlich von B-Lymphozyten gebildet.

 

Quelle:

Marcus, R. et al.: Obinutuzumab for the First-Line Treatment of Follicular Lymphoma. New England Journal of Medicine 2017, 377:1331-44

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.11.2017 17:14