Follikuläres Lymphom: Das Immunsystem gleich zweifach in Gang bringen

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Eine Kombination zweier das Immunsystem beeinflussender Wirkstoffe hat beim fortgeschrittenen follikulären Lymphom offenbar ähnlich gute Wirkung wie eine Kombination von Immun- und Chemotherapie.

Patienten, die die Diagnose follikuläres Lymphom im fortgeschrittenen Stadium erhalten, können mit einer neuartigen Immuntherapie mit dem Anti-CD20-Antikörper Rituximab in Kombination mit Chemotherapie und anschließend einer Erhaltungstherapie mit Rituximab behandelt werden. Nun testeten Wissenschaftler, ob durch eine Kombination von Rituximab mit Lenalidomid aus der Gruppe der Immunmodulatoren auf die Chemotherapie gänzlich verzichtet werden könnte. Ihre Ergebnisse präsentierten sie auf dem 23. Kongress der European Hematology Association (EHA) Mitte Juni 2018 in Stockholm, Schweden.

Immunmodulatoren wie Lenalidomid wirken verändernd auf das Immunsystem, in der Regel verstärken sie seine Reaktionen. In der aktuellen Phase III-Studie erhielten 513 Patienten mit fortgeschrittenem, zuvor unbehandeltem follikulärem Lymphom eine Kombinationsimmuntherapie aus Lenalidomid und Rituximab gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Rituximab. Die Kontrollgruppe mit 517 Patienten erhielt die Standardtherapie mit Rituximab und Chemotherapie gefolgt von der Erhaltungstherapie mit Rituximab. Die Patienten waren zwischen 23 und 89 Jahre alt, sie hatten in der Regel eine Krankheit im Stadium III oder IV und eine hohe Tumorlast. 

Nach 120 Wochen hatten in beiden Gruppen etwa gleich viele Patienten auf die Therapie angesprochen. Nach drei Jahren lebten in beiden Gruppen mit 77 bzw. 78 Prozent nahezu gleich viele Patienten noch, ohne dass die Krankheit weiter vorangeschritten war, außerdem waren in beiden Gruppen jeweils noch 94 Prozent der Patienten am Leben. Überlebensvorteile infolge der kombinierten Immuntherapien gegenüber der Immun-Chemotherapiekombination waren also nicht zu erkennen.

Jedoch gab es Unterschiede hinsichtlich der Verträglichkeit. Unter der Immuntherapiekombination traten seltener Erschöpfungssyndrom (Fatigue), Übelkeit, Erbrechen, periphere Nervenschädigungen, Zahnfleischentzündungen und Haarausfall auf. Andere Nebenwirkungen wie Hautreaktionen oder Durchfall kamen hingegen häufiger vor als bei der Kombination von Chemotherapie und Immuntherapie. 

Offenbar, so die Interpretation der Studienautoren, könnten Patienten mit fortgeschrittenem follikulärem Lymphom mit der Kombination von Rituximab und Lenalidomid ähnlich wirksam behandelt werden wie mit Rituximab und Chemotherapie, wenn im Anschluss eine Rituximab-Erhaltungstherapie folgt. 

 

Quelle:

Morschhauser F et al. RELEVANCE: PHASE III EFFICACY AND SAFETY STUDY OF LENALIDOMIDE PLUS RITUXIMAB (R2) VERSUS RITUXIMAB PLUS CHEMOTHERAPY, FOLLOWED BY RITUXIMAB, IN PREVIOUSLY UNTREATED FOLLICULAR LYMPHOMA. EHA 2018, Abstract: S154

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 09.12.2018 17:33