Familiäres Darmkrebsrisiko: Gute Familienanamnese ist erforderlich

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Bei der Erfragung der Krankengeschichte können Ärzte diejenigen identifizieren, die ein erhöhtes familiäres Risiko für Darmkrebs haben und früher mit dem Screening beginnen sollten.

Personen, die familiär bedingt ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs haben, sollten schon früher als die Allgemeinheit mit dem Darmkrebsscreening beginnen, weil sie oft bereits in jüngeren Jahren erkranken (s. Meldung DKG vom 27.04.2020). Doch um zu wissen, ob ein familiäres Risiko für Darmkrebs besteht oder nicht, ist es zunächst erst einmal notwendig, die Krankengeschichte sorgfältig zu erheben (Anamnese). Darauf verweisen Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Cancer.

Die Forscher führten eine bevölkerungsbasierte Fall-Kontrollstudie durch, an der Personen im Alter von 40 bis 49 Jahren teilnahmen: 2.473 von ihnen waren an Darmkrebs erkrankt, die übrigen 772 nicht. Etwa ein Viertel der Darmkrebspatienten und zehn Prozent der nicht an Darmkrebs erkrankten Teilnehmer hatten Darmkrebsfälle in der engeren Familie, sodass von einem erhöhten familiären Risiko auszugehen war. Nach Angaben der Forscher wäre es bei 98 Prozent der Darmkrebspatienten mit familiär bedingtem Darmkrebsrisiko möglich gewesen, ihnen das Darmkrebsscreening in einem früheren Lebensalter zu empfehlen als dasjenige, welches sie bei der Krankheitsdiagnose erreicht hatten.

Einer von vier der untersuchten Patienten im Alter von 40 bis 49 Jahren erfüllte laut Studie die Bedingungen für einen früheren Beginn des Darmkrebsscreenings. Bei nahezu allen hätte die Darmkrebserkrankung früher diagnostiziert oder womöglich sogar verhindert werden können, wenn sie in jüngeren Jahren als üblich mit dem Screening begonnen hätten, so lautete das Fazit der Studienautoren. Um die Patienten zu identifizieren, sei eine sorgfältige Anamnese der eigenen und der familiären Krankengeschichte erforderlich.

 

Quelle:

Gupta S et al. Potential impact of family history–based screening guidelines on the detection of early‐onset colorectal cancer. Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 20. April 2020, https://doi.org/10.1002/cncr.32851

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 22.10.2020 16:24