Erhöhtes Krebsrisiko nach chronisch entzündlicher Darmerkrankung im Kindesalter

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Auch wenn das Risiko für insbesondere Magen-Darmtumoren erhöht ist, bleibt die absolute Zahl an zusätzlichen Krebsfällen gering.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn werden bereits seit längerem in Verbindung mit Darmkrebs gebracht. Wenn sie im Erwachsenenalter beginnen und dann über viele Jahre wiederholt intensive Entzündungen im Dickdarm hervorrufen, ist das Risiko für Darmkrebs erhöht. Doch wie verhält es sich, wenn Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn schon im Kindes- oder Jugendalter beginnen? Dieser Frage gingen schwedische Wissenschaftler in einer Studie nach, deren Ergebnisse sie jetzt in der Fachzeitschrift BMJ veröffentlichten.

Die Forscher bezogen in ihre Analyse Daten von Personen aus dem schwedischen Patientenregister ein, die vor dem 18. Lebensjahr an Colitis ulcerosa (über 9.400 Fälle), Morbus Crohn (mehr als 3.700 Fälle) oder unklaren chronischen Darmentzündungen (fast 1.000 Fälle) erkrankt waren. Sie untersuchten, ob diese Personen im Erwachsenenalter im Vergleich zu insgesamt fast 93.000 Personen der Allgemeinbevölkerung – ähnlich hinsichtlich Geschlecht, Alter, Geburtsjahr und Geburtsort – häufiger an Krebs, insbesondere an Krebs im Magen-Darmtrakt erkrankten oder nicht.

Tatsächlich erkrankten Personen, bei denen bereits im Kindes- oder Jugendalter eine chronisch entzündliche Darmerkrankung eingesetzt hatte, etwa doppelt so häufig an Krebs wie die Kontrollpersonen. Dabei war das Darmkrebsrisiko bei Colitis ulcerosa höher als bei Morbus Crohn. Am häufigsten traten bösartige Tumoren im Magen-Darmtrakt auf. Das erhöhte Risiko für Krebs bestand schon vor dem 18. Lebensjahr und blieb über die Beobachtungszeit hinweg gleich.

Offenbar, so die Studienautoren, gehe eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, insbesondere Colitis ulcerosa, mit einem erhöhten Krebsrisiko für vor allem Krebs im Verdauungstrakt einher, wenn sie im Kindes- oder Jugendalter beginnt. Allerdings verweisen die Forscher auch darauf, dass die absolute Zahl der Krebsfälle, die infolge der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zusätzlich auftreten, gering sei. Demnach ist beispielsweise pro 2.500 Patienten mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung im Kindesalter ein zusätzlicher Krebsfall in der Kindheit zu erwarten. Nur insgesamt 0,2 Prozent, also einer von 500 Patienten mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung im Kindesalter wird im Laufe seiner Kindheit und Jugend an Krebs erkranken.

 

Quelle:

Olén, O. et al.: Childhood onset inflammatory bowel disease and risk of cancer: a Swedish nationwide cohort study 1964-2014. BMJ 2017;358:j3951 doi: 10.1136/bmj.j3951

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 15.12.2017 13:24