Erhöhtes Brustkrebsrisiko nach Vorstufe

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Wenn ein duktales Karzinoma in situ der Brust entdeckt wird, besteht anschließend ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Durch eine intensivere Therapie lässt sich das Risiko vermindern. 

Wenn Brustkrebs in einem frühen Stadium entdeckt wird, bestehen gute Heilungsaussichten. Doch ist offenbar besondere Aufmerksamkeit geboten, wenn ein duktales Karzinoma in situ (DCIS) der Brust diagnostiziert wurde. Wie Wissenschaftler in der Fachzeitschrift BMJ berichteten, besteht ein erhöhtes Risiko, dass es später noch zu einer invasiven Brustkrebserkrankung kommt.

Beim DCIS liegen in den Milchgängen der Brustdrüse veränderte Zellen vor, die sich noch nicht über ihren Entstehungsort hinaus ausgebreitet haben. Jedoch kann sich aus diesen Zellen mit höherer Wahrscheinlichkeit als aus nicht veränderten Zellen invasiver Brustkrebs entwickeln, weshalb das DCIS als Vorstufe von Brustkrebs eingestuft wird.

In der aktuellen Studie wurden die Daten von 35.024 Frauen aus England untersucht, bei denen im Rahmen einer Screeninguntersuchung ein DCIS diagnostiziert worden war. Bei 2.076 von ihnen wurde im weiteren Beobachtungsverlauf invasiver Brustkrebs festgestellt. Daraus errechneten die Forscher eine jährliche Häufigkeitsrate von 8,82 pro 1.000 Frauen, die damit mehr als doppelt so hoch war wie die in der Allgemeinbevölkerung erwartete Häufigkeitsrate.

Der Anstieg der Häufigkeitsrate begann im zweiten Jahr nach der Diagnose des DCIS und setzte sich über die Beobachtungszeit von bis zu 20 Jahren fort. 310 der späteren Brustkrebspatientinnen starben an der Tumorerkrankung. Die dadurch entstehende brustkrebsbedingte Todesrate von 1,26 Fällen pro 1.000 Frauen pro Jahr war ebenfalls höher als die in der Allgemeinbevölkerung zu erwartende brustkrebsbedingte Todesrate. Der Anstieg begann rund fünf Jahre nach der DCIS-Diagnose.

Von den insgesamt 29.044 Frauen, bei denen ein DCIS nur auf einer Brustseite diagnostiziert worden war und die sich einer Operation unterzogen hatten, wiesen diejenigen mit intensiveren Therapien später eine geringere Rate an invasivem Brustkrebs auf. Zu den intensiveren Therapien zählten die operative Brustentfernung (Mastektomie), eine Strahlentherapie bei brusterhaltender Operation und eine antihormonelle Therapie bei hormonempfindlichem DCIS. Auch wenn bei der brusterhaltenden Operation weiter im gesunden Gewebe geschnitten worden war, der tumorfreie Rand des entfernten Bereichs also größer war, trat später seltener ein invasiver Brusttumor auf.

Die Studienautoren schließen aus ihren Ergebnissen, dass Frauen, bei denen beim Screening ein DCIS diagnostiziert wird, in den folgenden 20 Jahren ein erhöhtes Risiko für invasiven Brustkrebs und ein erhöhtes Sterberisiko an Brustkrebs haben. Eine intensivere Therapie und größere tumorfreie Ränder bei der Operation könnten dieses Risiko vermindern.

 

Quelle:

Mannu GS et al. Invasive breast cancer and breast cancer mortality after ductal carcinoma in situ in women attending for breast screening in England, 1988-2014: population based observational cohort study. BMJ 2020;369:m1570

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 22.10.2020 16:24