Erhaltungstherapie bei fortgeschrittenem Darmkrebs

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Wirkt unabhängig davon, ob die Krebszellen bestimmten Genveränderungen unterliegen oder nicht.

Hat sich Darmkrebs bereits mit Metastasen in andere Organe ausgebreitet, ist eine Operation in vielen Fällen nicht sinnvoll oder gar unmöglich. Doch eine andere Option kann den Betroffenen Lebenszeit verschaffen: Mehrere Zyklen Chemotherapie kombiniert mit dem Antikörper und Angiogenesehemmer Bevacizumab gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit einem der Chemotherapeutika plus Bevacizumab. Von dieser Behandlung profitieren offenbar alle Patienten, egal welche Genveränderungen (Mutationen) ihre Tumoren im Einzelnen aufweisen. Das berichteten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Annals of Oncology.

Mutationen in den Krebszellen wirken sich oftmals nicht nur auf das Tumorwachstum und –verhalten aus, sie beeinflussen auch maßgeblich den Erfolg mancher zielgerichteter oder das Immunsystem ankurbelnder Therapien. Deshalb wird heutzutage bei der Diagnose auch ein biologisches Profil des Tumors erstellt, anhand dessen geeignete Therapien ausgewählt werden können. Für die Erhaltungstherapie mit dem Chemotherapeutikum Capecitabin und dem Antikörper Bevacizumab ist das bei metastasiertem Darmkrebs offenbar nicht nötig. Als Erhaltungstherapie wird die mehrjährige oder lebenslange Einnahme von Arzneimitteln bezeichnet, nachdem die Krankheit durch eine in diesem Fall intensive Chemo- und Antikörpertherapie zurückgedrängt werden konnte.

Für die Studie wurden 558 Patienten gefunden, die an metastasiertem Darmkrebs erkrankt waren. Sie waren entweder noch unbehandelt oder hatten bereits sechs Zyklen einer Kombinationschemotherapie plus Bevacizumab erhalten. Die Chemotherapie sorgt dafür, dass sich die Krebszellen nicht mehr vermehren können, der Angiogenesehemmer Bevacizumab unterbindet indirekt die Blutversorgung des Tumors, indem er die Neubildung bzw. Ausrichtung von Blutgefäßen hin zum Krebsgewebe unterbindet. Nach dem Zufallsprinzip ausgewählt erhielt eine Hälfte der Patienten eine Erhaltungstherapie mit Capecitabin und Bevacizumab, die andere Hälfte wurde beobachtet. Wenn das Tumorleiden wieder aktiv wurde, wurde erneut eine Kombinationschemotherapie mit zielgerichteter Therapie mit Bevacizumab durchgeführt – so lange, bis die Krankheit ein zweites Mal voranschritt.

Erhaltungstherapie wirkt bei allen

Mehr als die Hälfte der Patienten wies eine sogenannte RAS-Mutation im Tumor auf, neun Prozent eine BRAF-Mutation und ein Prozent Veränderungen in sogenannten Mismatch-Repair-Genen (MMR-Genen). Keine dieser Genveränderungen jedoch beeinträchtigte den Erfolg der Erhaltungstherapie mit Chemo- und zielgerichteter Bevacizumabtherapie: Gegenüber der Beobachtungsgruppe dauerte es unabhängig davon, ob und welche Genveränderungen in den Krebszellen vorlagen, signifikant länger, bis die Krankheit zum zweiten Mal voranschritt. Auch die Gesamtüberlebenszeiten verbesserten sich.

Manche Patienten profitieren mehr als andere

Allerdings, so die Studienautoren, profitierten manche Patienten von der Erhaltungstherapie mehr als andere. So konnte der Tumor bei Patienten mit RAS/BRAF-Wildtyp, bei dem also bestimmte Veränderungen in RAS- oder BRAF-Genen fehlen, und Patienten mit sogenannter V600EBRAF-Mutation am längsten zum Stillstand gebracht werden.

 

Quelle:

Goey, K. K. H. et al.: Maintenance treatment with capecitabine and bevacizumab versus observation in metastatic colorectal cancer: updated results and molecular subgroup analyses of the phase 3 CAIRO3 study. Annals of Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 23. Juni 2017, DOI: https://doi.org/10.1093/annonc/mdx322 

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 21.07.2017 16:59