Doppelte zielgerichtete Therapie bei Brustkrebs mit Hirnmetastasen

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Bei HER2-positivem Brustkrebs kann die Zugabe eines zweiten HER2-Hemmers die Hirnmetastasen wirksam aufhalten. 

Wenn bei HER2-positivem Brustkrebs schon Metastasen im Gehirn aufgetreten sind, kann eine kombinierte zielgerichtete Therapie mit zwei Anti-HER2-Hemmern und Chemotherapie die Überlebensaussichten verbessern. Das geht aus den Ergebnissen einer Studie hervor, die in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology veröffentlicht wurden.

Bis zu 50% aller Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs entwickeln im Laufe der Krankheit Metastasen im Gehirn. Initial werden diese Metastasen lokal behandelt, entweder durch eine Operation, stereotaktische Strahlenchirurgie und/oder durch eine Ganzhirnbestrahlung. Doch die Rate derer, bei denen die Metastasen im Gehirn innerhalb von einem halben bis ganzen Jahr weiter voranschreiten, ist hoch. Systemische Therapien, die den Tumor gezielt angreifen und auch im Gehirn wirken, sind deshalb gefragt.

An der Studie nahmen 291 Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs teil, bei denen Hirnmetastasen diagnostiziert worden waren. Bei einigen schritten die Metastasen weiter voran, bei anderen blieben sie stabil. Die Patientinnen erhielten zur herkömmlichen Behandlung mit einem HER2-Hemmer und Chemotherapie entweder einen zweiten neu entwickelten HER2-Hemmer oder ein Scheinmedikament (Placebo). Bei dem neuen Wirkstoff handelte es sich um einen niedrigmolekularen Tyrosinkinasehemmer, der die Blut-Hirnschranke überwinden und deshalb im Gehirn wirken kann.

Durch die Gabe des zweiten HER2-Hemmers reduzierte sich das Risiko zu sterben bzw. für ein Voranschreiten der Hirnmetastasen um 68 Prozent. Das Überleben, ohne dass die Krankheit im Gehirn weiter voranschritt, verdoppelte sich, und auch das Gesamtüberleben verbesserte sich. Die Ansprechrate der Krankheit im Gehirn verdoppelte sich.

Damit, so die Studienautoren, habe sich die Zugabe des zweiten, niedrigmolekularen Tyrosinkinasehemmers bei Brustkrebspatientinnen mit Hirnmetastasen als gut wirksam erwiesen.

 

Quelle:

Lin NU et al. Intracranial Efficacy and Survival With Tucatinib Plus Trastuzumab and Capecitabine for Previously Treated HER2-Positive Breast Cancer With Brain Metastases in the HER2CLIMB Trial. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 29. Mai 2020, DOI https://doi.org/10.1200/JCO.20.00775

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 22.10.2020 16:24