Doppelte Immuntherapie bei fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs?

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In einer Studie bringt die Kombination von zwei verschiedenen Checkpointblockern keine Überlebensvorteile.

Bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC), der sich bereits mit Metastasen in andere Organe ausgebreitet hat, ist die Immuntherapie mit einem PD-1-Checkpointblocker inzwischen die Standardtherapie in der Erstbehandlung. Voraussetzung dafür ist, dass der Tumor viel PD-L1 bildet, an welches sich der Checkpointblocker binden kann. In der Phase III- KEYNOTE-598-Studie untersuchten Wissenschaftler, ob sich die Therapieerfolge durch die Zugabe eines zweiten Checkpointblockers noch steigern lassen. Über ihre Ergebnisse berichteten sie in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology.

Bei dem zweiten Checkpointblocker handelte es sich um einen Antikörper gegen zytotoxisches T-Lymphozytenantigen 4 (CTLA-4), der einen anderen Wirkmechanismus hat als ein PD-1-Blocker. Gegenüber beispielsweise Chemotherapie hatte sich die Kombination von PD-1- und CTLA-4-Blocker bereits als überlegen herausgestellt. Doch war bislang unklar, ob die Kombinationstherapie auch im Vergleich zur Einzeltherapie mit einem PD-1-Blocker Vorteile bringen kann.

568 Patienten mit metastasiertem NSCLC nahmen an der Studie teil. Sie erhielten den PD-1-Blocker in Kombination mit entweder einem CTLA-4-Blocker oder einem Scheinmedikament (Placebo). Das Überleben, ohne dass die Krankheit weiter voranschritt, konnte durch die doppelte Checkpointblockade nicht verbessert werden, die Ergebnisse in den beiden Behandlungsgruppen unterschieden sich in diesem Punkt nicht. Hingegen war die Kombination von PD-1- und CTLA-4-Blockade mit einem häufigeren Auftreten von Nebenwirkungen Grad 3-5 verbunden. Es wurde deshalb empfohlen, die Studie zu stoppen und die Therapie für alle Teilnehmer auf den PD-1-Blocker zu beschränken.

Eine Kombination von PD-1- und CTLA-4-Checkpointblockade könne für die Ersttherapie bei Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs derzeit nicht empfohlen werden, so das Fazit der Studienautoren. Damit bleibe die Einzeltherapie mit einem PD-1-Blocker bei Tumoren, die viel PD-L1 bilden, der Standard.

 

Quelle:

Boyer M et al. Pembrolizumab Plus Ipilimumab or Placebo for Metastatic Non–Small-Cell Lung Cancer With PDL1 Tumor Proportion Score ‡ 50%: Randomized, Double-Blind Phase III KEYNOTE-598 Study. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 29. Januar 2021, https://doi.org/10.1200/JCO.20.03579

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 17.06.2021 10:38