Die „Pille“ schützt lang anhaltend vor Gebärmutterkrebs

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Wissenschaftler berechneten, wie viele Fälle von Gebärmutterkrebs in den letzten Jahrzehnten durch die Einnahme von Kontrazeptiva verhindert wurden. Auch nach dem Absetzen hält der Schutzeffekt noch lange an.

Nebenwirkungen von medikamentösen Therapien müssen nicht immer nur unerwünschter Natur sein - mitunter entpuppen sich Wirkstoffe bei langjähriger Einnahme auch als Schutz vor Krankheiten, auf die man es ursprünglich gar nicht abgezielt hatte. So kamen Wissenschaftler jetzt nach eingehenden Berechnungen zu dem Schluss, dass in den westlichen Industrieländern seit der Einführung der „Antibaby-Pille“ in den letzten 50 Jahren vermutlich rund 400.000 Fälle von Gebärmutterkrebs bei Frauen vor dem 75. Lebensjahr verhindert wurden – die Hälfte davon allein im letzten Jahrzehnt. Der Bericht zur Studie erschien kürzlich in der Fachzeitschrift The Lancet Oncology.

Untersuchungen hatten schon früher gezeigt, dass durch die Einnahme oraler Kontrazeptiva, der „Pille“, das Risiko für Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom) sinkt. Wie stark dieser Effekt ist und wie lange er anhält, war jedoch unbekannt. Nun werteten die Forscher Daten von rund 27.000 Frauen mit Gebärmutterkrebs und rund 116.000 Frauen ohne Gebärmutterkrebs aus, auf die sie aus insgesamt 36 epidemiologischen Studien zurückgreifen konnten.

35 Prozent der an Gebärmutterkrebs erkrankten Frauen und 39 Prozent der nicht daran erkrankten Frauen hatten irgendwann in ihrem Leben die Pille eingenommen. Die Forscher errechneten eine Senkung des Risikos für Gebärmutterkrebs infolge der Pilleneinnahme. Je länger die Pille eingenommen worden war, desto stärker sank das Risiko: Pro fünf Jahre Pilleneinnahme ging das Risiko etwa um ein Viertel zurück. 

Der Schutzeffekt hielt lange an – auch mehr als 30 Jahre nach dem Absetzen der Pille war er noch vorhanden. Er war für Karzinome der Gebärmutter stärker ausgeprägt als für Sarkome. In Ländern mit hohem Einkommen reduzierte sich das Erkrankungsrisiko an Gebärmutterkrebs infolge 10-jähriger Einnahme der Pille bei unter 75-jährigen Frauen von 2,3 auf 1,3 pro 100 Frauen.

 

Quelle:

Collaborative Group on Epidemiological Studies on Endometrial Cancer: Endometrial cancer and oral contraceptives: an individual participant meta-analysis of 27 276 women with endometrial cancer from 36 epidemiological studies. The Lancet Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 4. August 2015, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(15)00212-0

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.05.2017 21:12