Die Eierstöcke während der Chemotherapie bei Brustkrebs schützen

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Wenn bei jungen Brustkrebspatientinnen die Funktion der Eierstöcke während der Chemotherapie vorübergehend ausgeschaltet wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch nach der Therapie noch eine Schwangerschaft möglich ist.

Eine gefürchtete Nebenwirkung der Chemotherapie gegen Brustkrebs ist ein dauerhafter Schaden der Eierstöcke, sodass die Wechseljahre verfrüht eintreten und eine spätere Schwangerschaft unmöglich wird. Dies zu verhindern gelingt, indem die Funktion der Eierstöcke während der Chemotherapie durch die Gabe eines Gonadotropin-Releasing Hormon (GnRH)-Agonisten vorübergehend stillgelegt wird. In einer zusammenfassenden Analyse bestätigte sich, dass diese Methode bei Frauen, die vor den Wechseljahren an Brustkrebs im Frühstadium erkranken, wirksam ist und die Fruchtbarkeit erhalten kann. Das geht aus einem Bericht in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology hervor.

In die Analyse wurden die Daten von fünf klinischen Studien mit insgesamt 873 Patientinnen einbezogen. 436 der Frauen hatten während der Chemotherapie (vor und/oder nach der Operation) einen GnRH-Agonisten erhalten, die übrigen 437 nicht (Kontrollgruppe). Das Alter der Frauen bei der Brustkrebsdiagnose reichte von 34 bis 42 Jahren, 40 Prozent von ihnen hatten Brustkrebs, der empfindlich auf die Wirkung von Östrogen reagierte (Östrogenrezeptor-positiver Brustkrebs).

14 Prozent der Patientinnen, die einen GnRH-Agonisten erhalten hatten, und rund 31 Prozent der Patientinnen aus der Kontrollgruppe erlitten infolge der Chemotherapie einen dauerhaften Schaden der Eierstöcke und kamen dadurch vorzeitig in die Wechseljahre. Somit blieb die Fruchtbarkeit bei einer signifikant größeren Zahl von Frauen der GnRH-Agonistengruppe erhalten. „Erkauft“ wurde dies durch ein häufigeres Auftreten von Hitzewallungen und Schweißausbrüchen während der Doppeltherapie mit Chemotherapie und GnRH-Agonist, allerdings in milder Form Grad 1 und 2.

Insgesamt wurden 37 Patientinnen (10,3%) aus der GnRH-Agonistengruppe und 20 Patientinnen (5,5%) aus der Kontrollgruppe nach der Brustkrebstherapie mindestens einmal schwanger. Im krankheitsfreien Überleben und Gesamtüberleben gab es zwischen den beiden Therapiegruppen keine Unterschiede.

Eine vorübergehende Unterdrückung der Eierstocksfunktion durch einen GnRH-Agonisten während einer Chemotherapie kann bei jungen Frauen mit frühem Brustkrebs die Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte Schädigung der Eierstöcke senken und ihnen somit die Möglichkeit erhalten, nach dem Überstehen der Brustkrebstherapie noch schwanger zu werden, so die Schlussfolgerung der Studienautoren.

 

Quelle:

Lambertini M et al. Gonadotropin-Releasing Hormone Agonists During Chemotherapy for Preservation of Ovarian Function and Fertility in Premenopausal PatientsWith Early Breast Cancer: A Systematic Review and Meta-Analysis of Individual Patient–Level Data. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 2. Mai 2018, DOI: https://doi.org/10.1200/JCO.2018.78.0858

 

Mehr zum Thema Kinderwunsch und Krebs erfahren Sie hier auf den Seiten der DKG-Web.

 

(kvk)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

 

Basis-Infos für Patienten zum Thema Brustkrebs

Weitere Nachrichten zum Thema Brustkrebs

Zurück

Aktualisiert am: 16.11.2018 22:20