Das Risiko für Leberkrebs bei chronischer Hepatitis B abschätzen

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Mit wenigen, einfach zu bestimmenden Parametern lässt sich bei Patienten mit chronischer Hepatitis B, die mit antiviralen Mitteln behandelt werden, das Risiko für Leberzellkrebs abschätzen.

Chronische Infektionen mit Hepatitis B-Viren gelten neben der chronischen Hepatitis C als der bedeutendste Risikofaktor für Leberzellkrebs. Sie können mit antiviralen Mitteln wie Entecavir oder Tenofovir behandelt werden. Doch auch dann bleibt das Risiko für Leberkrebs erhöht. Auf der Suche nach einem geeigneten Score zur Einschätzung dieses Risikos testeten Wissenschaftler verschiedene Faktoren: Das Lebensalter und Geschlecht spielen dem Bericht in der Fachzeitschrift Journal of Hepatology zufolge eine entscheidende Rolle.

Die Forscher bezogen in ihre Studie 1.815 erwachsene, an chronischer Hepatitis B erkrankte Patienten ein, bei denen zu Beginn kein Leberkrebs nachweisbar war. Alle wurden seit mindestens einem Jahr mit Entecavir oder Tenofovir behandelt. Anhand der Daten von 1.325 Patienten wurde ein Risikoscore entwickelt („Ableitungsgruppe“) und mithilfe der übrigen Patienten hinsichtlich seiner Aussagekraft überprüft („Validierungsgruppe“).

Innerhalb von fünf Jahren erkrankten knapp sechs bzw. acht Prozent der Patienten beider Gruppen an Leberkrebs. Als aussagekräftige Faktoren für die Bestimmung des Krebsrisikos erwiesen sich das Lebensalter und Geschlecht sowie die Anzahl der Blutplättchen, die für die Blutgerinnung verantwortlich sind. Zwar schien auch der Umstand, ob eine Leberzirrhose vorliegt oder nicht, unabhängig mit dem Auftreten von Leberzellkrebs verbunden. Jedoch spielte dies für die Höhe des Leberkrebsrisikos keine Rolle – eine zusätzliche Information konnte damit nicht erlangt werden. Je nachdem, welche Punktzahl die Patienten in dem erstellten PAGE-B-Score erreichten (< 10, 11-17 oder > 17) betrug die kumulative, also sich anhäufende Rate an Leberkrebs 0%, 3% oder 17% in der Validierungsgruppe. In der Ableitungsgruppe waren die Zahlen ähnlich.

Nach Ansicht der Studienautoren könne anhand des PAGE-B-Scores, der Alter, Geschlecht und Blutplättchenzahl berücksichtigt, bei mit Entecavir oder Tenofovir behandelten Patienten mit chronischer Hepatitis B auf einfache Weise das individuelle Risiko für Leberzellkrebs abgeschätzt werden.

 

Quelle:

Papatheodoridis, G. et al. Page-B: Risk Score for Hepatocellular Carcinoma in Caucasians with Chronic Hepatitis B Under 5-Year Entecavir or Tenofovir Therapy. Journal of Hepatology, Onlinevorabveröffentlichung am 8. Dezember 2015, DOI:http://dx.doi.org/10.1016/j.jhep.2015.11.035

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 24.07.2017 16:49