Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs

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Welche Komplikationen können bei der Untersuchung auftreten?

Noch immer nehmen längst nicht alle, die in Deutschland einen Anspruch darauf haben, die Früherkennungsuntersuchungen für Darmkrebs wahr. Dabei würde so mancher Anspruchsberechtigte vielleicht doch gern mal eine Darmspiegelung (Koloskopie) durchführen lassen, um sicherzugehen, dass er nicht an Darmkrebs oder einer Vorstufe erkrankt ist – allein, er traut sich nicht aus Angst vor Komplikationen der Untersuchung. Ein wenig zur Beruhigung solcher Ängste können die Ergebnisse einer neuen Studie in der Fachzeitschrift Gastroenterlogy beitragen, in der insbesondere die potenziellen Komplikationen außerhalb des Verdauungstraktes im Fokus standen, wie Herzinfarkt oder Infektionen.

In der Studie wurden die Daten von Patienten ausgewertet, die sich zwischen 2005 und 2011 in Kalifornien, USA, einer Darmspiegelung im Rahmen des Darmkrebsscreenings (1,58 Millionen Patienten) oder außerhalb des Darmkrebsscreenings (1,22 Millionen Patienten) unterzogen. Bewertet wurden Komplikationen, die innerhalb von 30 Tagen nach diesem Eingriff auftraten.

Tatsächlich war bei den Patienten nach der Darmspiegelung eine erhöhte Rate an Komplikationen im Verdauungstrakt zu verzeichnen, wobei die meisten innerhalb der ersten 14 Tage vorkamen. Erhöht war demnach das Risiko für Blutungen und Darmwanddurchbrüche. Sie traten häufiger nach Darmspiegelungen auf, die nicht im Rahmen des Darmkrebsscreenings erfolgt waren, sondern etwa, weil sich der Patient mit Symptomen zum Arzt begeben hatte. Außerdem waren sie häufiger, wenn sich bei der Darmspiegelung tatsächlich ein verdächtiger Befund ergeben hatte, der noch unmittelbar bei der Untersuchung entfernt wurde (Biopsie).

Auch Komplikationen außerhalb des Magen-Darmtraktes kamen häufiger vor, etwa Herzinfarkt oder Schlaganfall. Wenn jedoch die Häufigkeit solcher Komplikationen mit der Häufigkeit von Komplikationen nach anderen, als Niedrig-Risiko-Eingriffen geltenden medizinischen Maßnahmen wie Gelenkspritzen, Gelenkspiegelung (Arthroskopie) oder Stoßwellentherapie zur Zertrümmerung von Nieren- oder Gallensteinen (Stoßwellenlithotripsie) verglichen wurde, ergab sich kein erhöhter Wert: Demnach traten innerhalb der ersten 30 Tage nach Darmspiegelung nicht häufiger Komplikationen außerhalb des Magendarmtraktes auf als nach anderen Niedrig-Risiko-Eingriffen. Verglichen mit der Allgemeinbevölkerung war bei den Patienten mit Darmspiegelung das Risiko für Herzinfarkt vergleichbar, leicht erhöht war hingegen das Risiko für Schlaganfall. 

Die Rate schwerwiegender Störungen im Magen-Darmtrakt sei nach der Darmspiegelung zwar klinisch relevant, jedoch niedrig, so die Einschätzung der Studienautoren. Die Untersuchung solle nach Möglichkeit immer von einem erfahrenen Untersucher oder unter seiner Anleitung durchgeführt werden. Ein wesentlicher Vorteil der Darmspiegelung gegenüber anderen Krebsscreeningsmethoden ist der Umstand, dass noch während des Eingriffs verdächtige Herde wie Schleimhautpolypen entfernt werden können, sodass die Entwicklung von Darmkrebs aus Vorstufen verhindert wird. 

 

Quelle:

Wang L et al. Low Rates of Gastrointestinal and Non-Gastrointestinal Complications for Screening or Surveillance Colonoscopies in a Population-Based Study. Gastroenterology 2018, 154(3):540-55.e8

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 19.07.2018 22:01