Darmspiegelung mit Befund: Wann die nächste Kontrolle?

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Patienten, bei denen in einer ersten Darmspiegelungen Adenome mit Risiko für Darmkrebs entdeckt werden, können unter Umständen von einer Nachsorgeuntersuchung nach drei Jahren profitieren. 

Bei der Darmspiegelung, der Koloskopie, können Vorstufen von Darmkrebs, sogenannte Adenome, erkannt und sofort entfernt werden. Das gesetzliche Screening zur Vorsorge und Früherkennung von Darmkrebs sieht für Versicherte ab dem 55. Lebensjahr zwei kostenlose Darmspiegelungen im Abstand von mindestens zehn Jahren vor. Werden bei der ersten Untersuchung Adenome entdeckt und wird das Risiko dafür, dass der oder die Betroffene zeitnah an Darmkrebs erkranken kann, als mittel bis hoch eingestuft, wird eine Kontrolldarmspiegelung bereits nach drei Jahren empfohlen. In ihrer aktuellen Studie wollten Forscher untersuchen, inwiefern die Patienten von dieser zweiten Darmspiegelung nach drei Jahren tatsächlich profitieren. Die Ergebnisse der Studie erschienen kürzlich in der Fachzeitschrift Lancet of Oncology.

Die Wissenschaftler identifizierten die Daten von 253.798 Patienten, die sich einer Darmspiegelung unterzogen hatten. 11.944 der Patienten hatten Adenome mit mittlerem Risiko für Darmkrebs. Ein mittleres bis hohes Risiko liegt zum Beispiel vor, wenn bei der ersten Untersuchung drei bis zehn Adenome, mindestens ein Adenom, das 1 cm oder größer ist, oder ein Adenom mit bestimmten geweblichen Veränderungen entdeckt wird. Alle Studienteilnehmer wurden über acht Jahre und länger nachbeobachtet.

42 Prozent der Patienten verzichteten auf die Kontrolldarmspiegelung, die übrigen 58 Prozent unterzogen sich einer oder sogar mehreren Nachkontrollen. Die Kontrolldarmspiegelungen zahlten sich aus: Die Häufigkeit von Darmkrebs war bei den Patienten, die eine oder zwei Darmspiegelungen zur Kontrolle erhalten hatten, signifikant geringer – es war gegenüber jenen, die auf die Nachkontrollen verzichtet hatten, nahezu halbiert. Besonders dramatisch wirkte sich der Verzicht auf die Kontrolldarmspiegelung bei Patienten aus, deren erste Darmspiegelung nicht optimal gelaufen war (zum Beispiel verfrüht abgebrochen werden musste), bei denen Adenome im oberen Dickdarmabschnitt gefunden worden waren und bei jenen mit hochgradigen oder großen Adenomen (mindestens zwei Zentimeter) in der ersten Untersuchung. Diese Patienten erkrankten ohne die Kontrolldarmspiegelung um 30 Prozent häufiger an Darmkrebs als die Allgemeinbevölkerung. Hingegen erkrankten Patienten, bei denen die genannten Probleme nicht auftraten, selbst wenn sie auf die Nachsorgedarmspiegelung verzichteten, immer noch seltener an Darmkrebs als die Allgemeinbevölkerung (halbiertes Risiko). 

Ein Teil der Patienten, bei denen während einer ersten Darmspiegelung Adenome mit mittlerem Risiko für Darmkrebs entdeckt werden, profitiert offenbar davon, wenn eine Nachsorgedarmspiegelung nach drei Jahren erfolgt, so die Studienautoren. Kann die erste Darmspiegelung mit hoher Qualität durchgeführt werden, reiche allerdings bei vielen Patienten diese eine Untersuchung aus, weil schon sie allein das Darmkrebsrisiko erheblich senken könne.

 

Quelle:

Atkin, W. et al.: Adenoma surveillance and colorectal cancer incidence: a retrospective, multicentre, cohort study. Lancet Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 27. April 2017, http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(17)30187-0

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.10.2017 17:07