Darmkrebstherapie: Schmerzen im Anusbereich ernstnehmen

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Wenn unter einer zielgerichteten Therapie mit einem Angiogenesehemmer Schmerzen im Anusbereich auftreten, sollte eine proktologische Abklärung erfolgen. Geschwüre im Analkanal sind eine häufige Nebenwirkung der Therapie.

Bei Darmkrebs, der sich bereits mit Tochtergeschwülsten, sogenannten Metastasen, in andere Organe ausgebreitet hat, gehört die zielgerichtete Therapie mit dem Angiogenesehemmer Bevacizumab mittlerweile zum Standard. Die Behandlung bringt den Betroffenen Überlebensvorteile, ist aber nur zu dem Preis von Nebenwirkungen zu haben. Eine häufige unerwünschte Wirkung sind Schmerzen im Analkanal, die einer neuen Studie in der Fachzeitschrift Acta Oncologica zufolge offenbar auf die Bildung von Geschwüren zurückgehen.

In der Studie wurden rückblickend die Daten von 601 Patienten mit metastasiertem Darmkrebs analysiert, die sich zwischen 2010 und 2016 einer ersten Behandlung unterzogen hatten. Unter anderem war bei Patienten, die über Beschwerden geklagt hatten, eine proktologische Untersuchung vorgenommen worden, bei der der Enddarm vom Arzt abgetastet wird. Außerdem wurde bei diesen Patienten die Durchblutung des Analkanals mittels Kontrastmittel-MRT (Magnetresonanztomographie) gemessen.

50 der 601 Patienten klagten während der Darmkrebsbehandlung über Beschwerden im Bereich des Anus und unterzogen sich einer proktologischen Untersuchung. Von ihnen wiesen 16 Patienten Geschwüre im Bereich des Anus auf. Analkanalgeschwüre, die Beschwerden verursachten, betrafen ausschließlich Patienten, die mit Bevacizumab behandelt wurden (vier Prozent der mit Bevacizumab Behandelten gegenüber keinem, der eine andere Therapie erhielt). Die stärksten Probleme traten in der vierten bis achten Woche nach Therapiebeginn auf. 

Die Kontrast-MRT-Untersuchung zeigte, dass der Analkanal bei Patienten, die den Angiogenesehemmer Bevacizumab erhielten, deutlich weniger durchblutet war als bei den anderen Patienten. Angiogenesehemmer unterbinden die Neubildung von Blutgefäßen im Tumorgewebe und mindern so dessen Durchblutung. Bluthochdruck und Hämorrhoiden waren mit einem geringeren Risiko für Analgeschwüre verbunden. Die Schmerzen, die durch die Geschwüre hervorgerufen wurden, waren oftmals sehr stark – was in vielen Fällen zu einem vorzeitigen Abbruch der zielgerichteten Therapie führte, auch, weil die eingeleiteten Gegenmaßnahmen oft nur mäßige Besserung brachten.

Nach Ansicht der Studienautoren habe die Untersuchung gezeigt, dass schmerzende Analgeschwüre eine häufige Nebenwirkung der Therapie mit dem Angiogenesehemmer Bevacizumab bei metastasiertem Darmkrebs sind. Es sei deshalb zu empfehlen, Patienten, die sich dieser Therapie unterziehen und Beschwerden im Anusbereich entwickeln, frühzeitig proktologisch zu untersuchen, um weiteren Komplikationen oder gar einem Therapieabbruch vorzubeugen. 

 

Quelle:

Bergamo, F. et al.: Angiogenesis inhibitors and symptomatic anal ulcers in metastatic colorectal cancer patients. Acta Oncologica, Onlinevorabveröffentlichung am 15. Juli 2017, http://dx.doi.org/10.1080/0284186X.2017.1351038

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.09.2017 22:05