Darmkrebsscreening: Persönliche Einladung spricht an

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Ein persönliches Einladungsschreiben kann die Berechtigten zur Teilnahme am Darmkrebsscreening mittels immunologischen Stuhltests animieren.

Gesetzlich Krankenversicherte in Deutschland können ab dem 50. Lebensjahr am kostenfreien Darmkrebsscreening teilnahmen. Doch noch immer nehmen nur wenige Menschen dieses Angebot in Anspruch. Wissenschaftler untersuchten, mit welcher Einladungsstrategie sich die Teilnahmerate erhöhen lässt. Der Bericht zur Studie erschien im Deutschen Ärzteblatt.

Im Alter von 50 bis 54 Jahren besteht die Möglichkeit, einmal jährlich auf Krankenkassenkosten mithilfe eines immunologischen Stuhltests (fäkaler immunologischer Test, FIT) den Stuhl auf verdecktes Blut untersuchen zu lassen, das ein Anzeichen für Darmkrebs sein kann. Ab dem 55. Lebensjahr kann dieser Test alle zwei Jahre durchgeführt werden. Alternativ sind zwei kostenfreie Darmspiegelungen (Koloskopien) möglich, eine Untersuchung, bei der schon die Vorstufen von Darmkrebs erkannt und auch gleich beseitigt werden können. Für Männer gilt dieses Angebot seit geraumer Zeit bereits ab dem 50. Lebensjahr, weil sie im Durchschnitt etwas früher als Frauen an Darmkrebs erkranken. 

Doch ohne besondere Einladung ist die Bereitschaft zur Teilnahme am Screening gering. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und die AOK Baden-Württemberg initiierten deshalb eine randomisierte Vergleichsstudie, um verschiedene Einladungsmodelle zu testen. In der Studie erhielten insgesamt 17.532 Berechtigte im Alter von 50 bis 54 Jahren ein persönliches Einladungsschreiben: Bei Gruppe A wurde dem Einladungsschreiben ein FIT beigefügt, den sie selbst durchführen und für die Analyse per Post abschicken konnten. Gruppe B erhielt die Möglichkeit, sich per Post einen FIT vom DKFZ schicken zu lassen (bestellt werden musste der Test per Online-Formular, E-Mail, FAX oder Antwortschreiben). Nach vier Wochen erhielt in beiden Gruppen jeweils die Hälfte der Personen ein Erinnerungsschreiben. Eine Kontrollgruppe C erhielt ein allgemeines Einladungsschreiben, in dem über die Möglichkeit zur Teilnahme am Darmkrebsscreening informiert wurde.

Knapp 30 Prozent der Personen aus Gruppe A und knapp 28 Prozent der Personen aus Gruppe B nahmen einen FIT in Anspruch. In Gruppe C hingegen ließen nur 10 Prozent einen FIT durchführen. Männer nahmen das Angebot in allen drei Gruppen signifikant seltener in Anspruch als Frauen. Das Erinnerungsschreiben erhöhte die Nutzung eines FIT in Gruppe A und B jeweils deutlich. In allen drei Gruppen ließen jeweils rund fünf Prozent der Personen innerhalb eines Jahres nach der Einladung eine Darmspiegelung zur Krebsfrüherkennung durchführen.

Von den Personen, bei denen der FIT positiv ausfiel, gingen zwei Drittel zur Darmspiegelung, um die Ursache abklären zu lassen. Dabei wurde bei jedem Fünften tatsächlich Darmkrebs oder eine fortgeschrittene Vorstufe davon, ein sogenanntes Adenom, festgestellt. Bei Männern war dies deutlich häufiger der Fall als bei Frauen.

Die Studie zeige, dass Personen auf eine persönliche Einladung zum Darmkrebsscreening ansprechen, wenn sie auf unkomplizierte Weise Zugang zu einem FIT bekommen, so die Interpretation der Studienautoren. Dabei spiele es offenbar keine Rolle, ob ein solcher FIT dem Einladungsschreiben gleich beigefügt wird oder ein FIT auf unkomplizierte Weise bestellt werden kann – die FIT-Nutzung konnte nahezu verdreifacht werden. Wichtig sei hingegen, dass nach einem kurzen Zeitraum ein Erinnerungsschreiben verschickt werde.

 

Quelle:

Gruner LF et al. Effekte verschiedener Einladungsmodelle auf die Inanspruchnahme immunologischer Tests auf Blut im Stuhl. Dtsch Arztebl Int 2020; 117:423-30

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 01.12.2020 16:52