Darmkrebsscreening: Mehr Teilnehmer, weniger Krebs

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US-amerikanische Wissenschaftler errechneten, wie viele Erkrankungs- und Todesfälle an Darmkrebs verhindert werden könnten, wenn die Bereitschaft zur Teilnahme am Früherkennungsscreening wächst

Etwa jede siebte Krebserkrankung in Deutschland betrifft den Dickdarm, bei Frauen ist Darmkrebs die zweithäufigste, bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung. Durch die Teilnahme am Darmkrebsscreening kann der Krankheit vorgebeugt werden. Wissenschaftler aus den USA führten jetzt in der Fachzeitschrift Cancer eine Modellrechnung vor: Sie ermittelten die Konsequenzen, die es hätte, wenn in den USA ab dem Jahr 2018 acht von zehn anspruchsberechtigten Personen am Darmkrebsscreening teilnehmen würden, einem Mix aus Stuhluntersuchung auf verborgenes Blut, einer Spiegelung des hintersten Darmabschnitts (Sigmoidoskopie) und einer Spiegelung des gesamten Dickdarms (Koloskopie). Die Zahlen sind eindrucksvoll: Mehrere hunderttausend Todesfälle könnten dadurch verhindert werden.

Experten stufen Darmkrebs als Krebserkrankung mit mittlerer Prognose ein. Wird die Krankheit im Frühstadium erkannt, sind die Heilungsaussichten gut - hat sie sich jedoch bereits in andere Organe ausgebreitet und Metastasen gebildet, gehen die Chancen auf Überleben deutlich zurück. Fünf Jahre nach Diagnosestellung lebt etwa noch die Hälfte der Erkrankten. Mithilfe des Screenings lassen sich nicht nur Darmkrebs im Frühstadium, sondern auch seine Vorstufen, sogenannte Adenome, entdecken und entfernen, sodass die Krebsentstehung verhindert wird.

In der vorliegenden Studie simulierten Forscher die US-amerikanische Bevölkerung im Alter von 50 bis 100 Jahren von 1987 bis 2030. Dabei stützten sie sich auf reale Daten aus dem National Health Interview Survey, die von 1987 bis zum Jahr 2013 erhoben worden waren und in denen u.a. Informationen über das Teilnahmeverhalten am Darmkrebsscreening, Darmkrebsfälle und Todesfälle wegen Darmkrebs enthalten sind. Demnach hatten im Jahr 2013 58 Prozent der 50- bis 79-Jährigen eine Screeninguntersuchung durchführen lassen. 

Die Wissenschaftler simulierten dann den Fall, dass ab dem Jahr 2018 80 Prozent der anspruchsberechtigten Bevölkerung am Darmkrebsscreening teilnehmen würden. Die Neuerkrankungsrate würde in diesem Szenario von 164 pro 100.000 Einwohner im Jahr 2014 auf 117 pro 100.000 Einwohner im Jahr 2030 fallen. Im Vergleich zur Annahme, dass die Teilnehmerzahlen am Screening konstant blieben, würde die Neuerkrankungsrate kurzfristig steigen, weil mehr Fälle von Darmkrebs oder seinen Vorstufen entdeckt würden. Doch anschließend würde sie bis zum Jahr 2030 um 22 Prozent sinken. Die Sterberate an der Erkrankung ginge um insgesamt ein Drittel zurück.

Von 2013 bis 2030 würden so 277.000 Menschen weniger an Darmkrebs erkranken, 203.000 Todesfälle ließen sich vermeiden – nach Ansicht der Studienautoren ein lohnenswertes Ziel.

 

Quellen:

Meester, R. G. S. et al.: Public Health Impact of Achieving 80% Colorectal Cancer Screening Rates in the United States by 2018. Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 12. März 2015, DOI: 10.1002/cncr.29336

Krebs in Deutschland 2009/2010. 9. Ausgabe. Robert Koch-Institut (Hrsg) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (Hrsg). Berlin, 2013

(kvk)

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Aktualisiert am: 21.07.2017 16:59