Darmkrebsrisiko nach Vorstufen

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Wenn während einer Darmspiegelung beim Früherkennungsscreening Adenome entfernt werden müssen, ist das erhöhte Risiko für Darmkrebs bei einem Großteil der Patienten hinterher gebannt.

Wenn bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) im Rahmen des Früherkennungsscreenings ein Adenom entdeckt wird, das als Vorstufe von Darmkrebs gilt, kann dieses noch während der Untersuchung beseitigt werden, sodass die Entwicklung eines bösartigen Tumors verhindert wird. Bei einem Großteil der Patienten ist die Sache damit offenbar ausgestanden – sie haben anschließend kein höheres Risiko, in den Folgejahren an Darmkrebs zu erkranken, als die Allgemeinbevölkerung. Dies berichteten Wissenschaftler aus Großbritannien in der Fachzeitschrift Gut.

Je nachdem, wieviele Adenome bei der Koloskopie gefunden werden und wie sie aussehen, ordnen Mediziner die Betroffenen einer von drei Risikogruppen zu: In der Niedrig-Risikogruppe beispielsweise finden sich in der Untersuchung höchstens ein bis zwei Adenome mit einer Größe von weniger als 10 mm, in der Gruppe mit mittlerem Risiko sind es entweder mehr Adenome geringer Größe oder größere Adenome oder Adenome mit schon nachweisbaren Zellveränderungen, bei hohem Risiko liegen viele und größere Adenome vor. Den Patienten wird in Abhängigkeit davon, welcher Risikogruppe sie angehören, eine entsprechende Nachsorge nach der Koloskopie empfohlen.

In der rückblickenden Studie wurden die Daten von rund 30.000 Patienten ausgewertet, bei denen während einer Koloskopie Adenome entfernt worden waren. Die Hälfte der Patienten wurde in die Gruppe mit niedrigem Risiko, 41 Prozent in die Gruppe mit mittlerem Risiko und die übrigen neun Prozent in die Gruppe mit hohem Risiko eingestuft. Die Beobachtungszeit betrug rund neun Jahre.

Patienten mit niedrigem und mittlerem Risiko erkrankten, wenn sie nach der Entfernung der Adenome keine spezielle Nachsorgeuntersuchung mit Koloskopie erhalten hatten, nicht häufiger an Darmkrebs als die Allgemeinbevölkerung. Bei den Patienten aus der Hoch-Risikogruppe hingegen war das Risiko für Darmkrebs gegenüber der Allgemeinbevölkerung erhöht, wenn sie sich nicht entsprechenden Nachfolgeuntersuchungen unterzogen.

Nachsorgeuntersuchungen mit Koloskopie können, so die Studienautoren in ihrer Bewertung, das Risiko für Darmkrebs senken. Jedoch würden Patienten mit niedrigem bis mittlerem Risiko diese speziellen Nachsorgeuntersuchungen nicht benötigen, da ihr Risiko für die Erkrankung offenbar nicht höher sei als das in der Allgemeinbevölkerung. Bei diesen Patienten reiche es vermutlich aus, wenn sie die in der gesetzlichen Früherkennung empfohlene nächste Darmspiegelung nach ca. zehn Jahren durchführen lassen.

 

Quelle:

Cross AJ et al. Long-term colorectal cancer incidence after adenoma removal and the effects of surveillance on incidence: a multicentre, retrospective, cohort study. Gut 2020, doi:10.1136/gutjnl-2019-320036

 

(KvK) 

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Zuletzt aufgerufen am: 07.04.2020 16:12