Darmkrebsdiagnose: Wenn sich andere Erkrankung in den Vordergrund drängen

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Vor allem bei älteren Patienten wird die Diagnose Darmkrebs oft erst verzögert gestellt, weil sich andere Erkrankungen in den Vordergrund drängen – egal, ob sie mit ähnlichen Beschwerden wie Darmkrebs einhergehen oder nicht.

Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten – dies gilt bei Darmkrebs ebenso wie bei vielen anderen Krebsarten. Doch können sich – gerade auch, weil Krebs oft zunächst ohne Beschwerden daherkommt - andere Erkrankungen manchmal so in den Vordergrund drängen, dass die Darmkrebsdiagnose erst verzögert gestellt wird. Das geht aus einer Studie in der Fachzeitschrift British Journal of Cancer hervor.

In der Studie werteten die Forscher die Daten von 4.512 Patienten im Alter ab 40 Jahren aus, bei denen in den Jahren 2007 bis 2009 die Diagnose Darmkrebs gestellt wurde. Fast drei Viertel von ihnen mussten wegen mindestens einer weiteren Erkrankung, die ganz andere Beschwerden als Darmkrebs hervorruft, behandelt werden. Knapp ein Drittel hatte eine oder mehrere Erkrankungen, die ähnliche oder gleiche Beschwerden hervorrufen wie Darmkrebs, sodass sogar Verwechslungsgefahr bestehen kann. In beiden Fällen verzögerte sich die Darmkrebsdiagnose im Vergleich zu Patienten, die keine andere Erkrankung aufwiesen: Bei einer Begleiterkrankung mit anderen Symptomen als bei Darmkrebs um durchschnittlich zehn Tage, bei vier solcher Begleiterkrankungen um durchschnittlich einen Monat und bei einer Erkrankung, die ähnliche Beschwerden hervorruft wie Darmkrebs, um durchschnittlich neun Tage. Am längsten warteten Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen auf die Darmkrebsdiagnose. Und: Je älter die Patienten waren, desto mehr verzögerte sich die Darmkrebsdiagnose bei Begleiterkrankungen.

Vor allem bei Patienten, die 80 Jahre oder älter sind, können Begleiterkrankungen das Auftreten von Darmkrebs maskieren und verhindern, dass die Krebsdiagnose frühzeitig gestellt wird, so die Studienautoren in ihrer Zusammenfassung. Ob sich die verzögerte Diagnosestellung auf die Prognose auswirkt, wurde in der Studie nicht untersucht. Jedoch könnten vermutlich in manchen Fällen akute Komplikationen, die infolge der später erkannten Darmkrebserkrankung auftreten, durch eine rechtzeitige Diagnose verhindert werden (siehe Meldung vom 3. Oktober 2016).

 

Quelle:

Mounce, L. T. A. et al.: Comorbid conditions delay diagnosis of colorectal cancer: a cohort study using electronic primary care records. British Journal of Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 11. Mai 2017, doi:10.1038/bjc.2017.127

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 12.12.2017 14:59