Darmkrebs zwischen zwei Stuhl-Screeninguntersuchungen?

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Nach immunologischen Stuhltests kommt das seltener vor als nach dem Guajak-Test.

Kann es passieren, dass ich an Darmkrebs erkranke, wenn ich vor nicht allzu langer Zeit bei einer Screeninguntersuchung war und es bis zum nächsten fälligen Screeningtermin noch ein Weilchen dauert? Diese Frage muss mit „Ja“ beantwortet werden. Wie oft es zu solchen „Intervallkarzinomen“ kommt, ist ein Maß dafür, wie gut ein Screeningprogramm funktioniert: Je seltener, desto besser. In diesem Punkt haben die neuen immunologischen Stuhltests (iFOBT), die seit April dieses Jahres bei der Suche nach verstecktem Blut im Stuhl dem alten Guajak-Test vorgezogen werden, die Nase vorn, wie Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift GUT berichteten.

In der Studie wurden zusammenfassend die Daten aus 29 zum Thema publizierten Studien mit knapp sieben Millionen Teilnehmern ausgewertet. Durch Darmkrebsscreening wurden 11.932 Darmkrebsfälle erkannt, 5.548 Intervallkarzinome traten zwischen den Untersuchungsterminen auf. Nach Anwendung der immunologischen Stuhltests waren die Intervallkarzinome seltener als nach dem Guajak-Test. So wurden nach einem negativen iFOBT 20 Intervallkarzinome pro 100.000 Personenjahre festgestellt, nach einem negativen Guajak-Test waren es hingegen 34 pro 100.000 Personenjahre. „Personenjahre“ summieren die Jahre auf, die alle an einer Studie teilnehmenden Personen unter Beobachtung standen. Jedem Intervallkarzinom nach einem immunologischen Stuhltest standen 2,6 durch den Test entdeckte Darmkrebsfälle gegenüber. Bei den Intervallkarzinomen nach Guajak-Test betrug das Verhältnis nur 1:1,2, d.h. nur 1,2 mit dem Test entdeckte Darmkrebsfälle kamen auf ein Intervallkarzinom.

Grundsätzlich ging die Häufigkeit von Intervallkarzinomen mit der Anzahl der Screeninguntersuchungen zurück: Nach drei absolvierten Tests wurden signifikant weniger Intervallkarzinome festgestellt. Auch bei Teilnehmern unter 60 Jahren war die Zahl von Intervallkarzinomen geringer.

Die neuen immunologischen Stuhltests sind in Deutschland als Screeninguntersuchungen eingeführt worden, weil die Testergebnisse beim bislang üblichen Guajak-Tests leicht durch Nahrungsmittel oder Blutungen aus anderen Quellen verfälscht werden können. Bei den iFOBTs werden Antikörper auf die Stuhlprobe gegeben, die sich, wenn der Blutfarbstoff Hämoglobin vorhanden ist, daran binden und das Testpapier färben. Der Vorteil ist, dass diese Antikörper tatsächlich nur menschliches Blut nachweisen, wodurch die Nachweiskraft des Testverfahrens höher wird. Eine größere Menge Blut im Stuhl deutet auf das Vorhandensein eines bösartigen Tumors im Darm hin.

Vom 50. Lebensjahr an kann jeder gesetzlich Versicherte in Deutschland einmal pro Jahr einen Stuhltest zur Früherkennung von Darmkrebs auf Kosten der Krankenkasse durchführen. Ab dem 55. Lebensjahr besteht Anspruch auf zwei Darmspiegelungen (Koloskopien) im Abstand von mindestens zehn Jahren oder weitere Stuhltests alle zwei Jahre. Stellt sich beim Stuhltest ein positiver Befund heraus, wird zur weiteren Abklärung eine Darmspiegelung empfohlen. Die Darmspiegelung hat gegenüber den Stuhltests den Vorteil, dass verdächtige Schleimhautbereiche direkt gesehen und sofort entfernt werden können.

 

Quelle:

Wieten E et al. Incidence of faecal occult blood test interval cancers in population-based colorectal cancer screening: a systematic review and meta-analysis. GUT, Onlinevorabveröffentlichung am 22. Juni 2018, http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2017-315340

 

(kvk)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

 

Basis-Infos für Patienten zum Thema Darmkrebs

Weitere Nachrichten zum Thema Darmkrebs

Zurück

Aktualisiert am: 14.12.2018 16:33