Darmkrebs: Welchen Einfluss haben die Gene?

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Für die Entstehung womöglich einen geringeren als bislang angenommen wurde.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Darmkrebs in manchen Familien gehäuft vorkommt. Bislang wurden solche „familiären Häufungen“ den Genen zugeschrieben. Jedoch sind die Gene offenbar viel seltener die Ursache dafür als bislang angenommen. Vielmehr spielen auch die Lebensgewohnheiten in der engeren Familie eine entscheidende Rolle. Dies berichteten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg in der Fachzeitschrift International Journal of Cancer.

Die Forscher werteten die Daten einer großen bevölkerungsbasierten Fallkontrollstudie aus, in der 4.447 Patienten mit Darmkrebs und 3.480 nicht daran erkrankte Kontrollpersonen interviewt worden waren. Zudem waren medizinische Daten sowie Daten von genetischen Analysen erfasst worden. 

Wenn in der engeren Familie eine Darmkrebserkrankung aufgetreten war, hatten die Betroffenen ein 1,77-fach erhöhtes Risiko, selbst an Darmkrebs zu erkranken. Die Forscher errechneten nun, welchen Einfluss die bislang bekannten genetischen Varianten an diesem erhöhten Risiko hatten. Sie kamen auf einen Anteil von fünf bis 14 Prozent. Dies war ein deutlich geringerer Einfluss der Gene als bislang angenommen. 

Offenbar, so die Schlussfolgerung der Forscher, spielen auch andere Faktoren bei der familiären Häufung von Darmkrebs eine Rolle, zum Beispiel spezielle Ernährungsgewohnheiten, Rauchen oder Bewegungsmangel. Dies zeige, dass Personen, die eine günstige Genkonstellation in ihrem Erbgut tragen, sich nicht in falscher Sicherheit wiegen dürfen: Auch der Lebensstil sei entscheidend. Umgekehrt komme es nicht zwangsläufig zu einer Erkrankung an Darmkrebs, wenn eine ungünstige Genkonstellation vorliegt. Hier lasse sich durch einen risikoarmen Lebensstil das individuelle Darmkrebsrisiko senken. 

 

Quelle:

Weigl K et al. Establishing a valid approach for estimating familial risk of cancer explained by common genetic variants. International Journal of Cancer 2020, 146:68-75

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 29.05.2020 10:55