Darmkrebs in jungen Jahren

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Wenn junge Menschen an Darmkrebs erkranken, kann sich ein erbliches Krebssyndrom dahinter verbergen

Erkranken Menschen schon in jungen Jahren, noch vor dem 35. Lebensjahr an Darmkrebs, sollten die Betroffenen selbst und ihre behandelnden Ärzte hellhörig werden. Es könnte sich womöglich um eine erbliche Form von Darmkrebs handeln – eine Diagnose, die, sofern sie sich bewahrheitet, weitreichende Konsequenzen hat. Offenbar ist dies nicht so selten der Fall, berichteten Wissenschaftler kürzlich in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology.

Das Risiko, schon früh im Leben an Darmkrebs zu erkranken, ist eher gering. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 71 und für Frauen bei 75 Jahren. Nur jeder zehnte Betroffene erkrankt vor dem 55. Lebensjahr. In der aktuellen Studie analysierten die Forscher die Daten von knapp 200 Patienten, die - höchstens 35 Jahre alt - zwischen 2009 und 2013 die Diagnose Darmkrebs erhalten hatten. Bei gut einem Drittel von ihnen wurde ein vererbbares Krebssyndrom festgestellt, darunter das Lynch-Syndrom, das Mutations-negative Lynch-Syndrom, die familiäre adenomatöse Polyposis und das Li-Fraumeni-Syndrom. Patienten ohne erbliches Syndrom hatten schon bei der Erstdiagnose häufiger Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, in anderen Organen. Bei den Patienten, die von einem erblichen Krebssyndrom betroffen waren, befand sich der Darmtumor hingegen häufiger noch in einem früheren Stadium. Diese Patienten berichteten zudem häufiger über andere Darmkrebsfälle in der Familie. Jedoch war auch bei immerhin einem Fünftel der Patienten mit erblichem Syndrom noch kein Fall von Darmkrebs in der Familie aufgetreten.

Unabhängig von ihrer familiären Vorgeschichte sollte Patienten, die mit 35 Jahren oder früher schon an Darmkrebs erkranken, ein genetischer Test auf ein vererbbares Krebssyndrom angeboten werden, so die Empfehlung der Studienautoren. 

 

Quellen:

Mork, M. E. et al.: High Prevalence of Hereditary Cancer Syndromes in Adolescents and Young Adults With Colorectal Cancer. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 20. Juli 2015, doi: 10.1200/JCO.2015.61.4503

Krebs in Deutschland 2009/2010. 9. Ausgabe. Robert Koch-Institut (Hrsg) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (Hrsg). Berlin, 2013

 

(kvk)

 

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Aktualisiert am: 19.09.2017 17:21