Darmkrebs in der Familie? Offenbar bei jedem 14. Hausarztpatienten unter 55 Jahren

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Bei jedem 14. Patienten in deutschen Hausarztpraxen kommt mindestens ein Fall von Darmkrebs in der Familie vor. Dadurch steigt auch das eigene Risiko für die Erkrankung.

Menschen, in deren Familie bereits Darmkrebs aufgetreten ist, haben selbst ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken. Und offenbar ist familiäre Vorbelastung in puncto Darmkrebs bei jungen Menschen unter 55 Jahren, die normalerweise noch nicht zum Darmkrebsscreening gehen, keine Seltenheit, wie Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt a.M. jetzt herausfanden. Sie berichteten darüber in der Fachzeitschrift Family Practice.

In den Leitlinien zu Darmkrebs wird empfohlen, dass Personen mit familiärem Darmkrebsrisiko schon zehn Jahre vor dem Alter, in dem das Familienmitglied daran erkrankte, Darmspiegelungen (Koloskopien) zur Früherkennung von Darmkrebs durchführen lassen sollten. Teil des gesetzlichen Darmkrebsscreenings ist dies allerdings noch nicht. Dieses sieht jährliche Untersuchungen auf Blut im Stuhl ab dem 50. Lebensjahr sowie ab dem 55. Lebensjahr zwei Darmspiegelungen im Abstand von mindestens zehn Jahren oder Untersuchungen auf Blut im Stuhl alle zwei Jahre vor. Um Personen mit familiärer Neigung für Darmkrebs, die jünger als 55 Jahre sind, die Chance auf einen früheren Beginn von Früherkennungsuntersuchungen zu geben, müssen diese erst einmal erkannt werden.

Das gelingt vergleichsweise leicht mit einer ausführlichen Familienanamnese, also einer Befragung zu Krankheiten in der Familie, bei der auch nach Darmkrebsfällen bei Angehörigen gefragt wird. Um einen Betroffenen zu identifizieren – so das Ergebnis der neuen Studie aus Frankfurt – müssen Hausärzte in Deutschland nur jeweils 14 Patienten im Alter von 40 bis 54 Jahren entsprechend gezielt befragen. 

Die Forscher gelangten zu dieser Erkenntnis, indem sie Patientendaten aus 21 Hausarztpraxen in Deutschland auswerteten. Von insgesamt 6.723 Patienten berichteten sieben Prozent von mindestens einem Fall von Darmkrebs bei einem Angehörigen ersten Grades (Eltern, Geschwister oder die eigenen Kinder), bei etwa einem Prozent war der Erkrankte zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 50 Jahre. Bei etwa zweieinhalb Prozent der Befragten waren bei mindestens einem engen Angehörigen vor dem 50. Lebensjahr Darmpolypen festgestellt worden, aus denen sich Darmkrebs entwickeln kann.

Den Hausärzten komme bei der Identifizierung von Personen mit familiär bedingt erhöhtem Darmkrebsrisiko eine Schlüsselfunktion zu, so die Einschätzung der Studienautoren. Sie könnten, nachdem sie Betroffene ausgemacht hätten, diesen ein frühzeitiges Darmkrebsscreening empfehlen und sie entsprechenden Zentren zuführen. 

 

Quelle:

Plath, J. et al.: Frequency of a positive family history of colorectal cancer in general practice: a cross-sectional study. Fam Pract 2017, 34(1):30-35

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.05.2017 21:12