Darmkrebs: Erblich bedingt oder nicht?

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Ein Test auf das sogenannte Lynch-Syndrom kann zeigen, ob eine Erkrankung an Darmkrebs erblich bedingt ist oder nicht. Wissenschaftler fragten danach, ob sich Patienten Vorteile von einem solchen Test versprechen würden.

In den Genen kann eine Veranlagung für Darmkrebs stecken. Am häufigsten handelt es sich dabei um das sogenannte Lynch-Syndrom, bei dem ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs, aber auch für andere Krebserkrankungen, darunter Gebärmutterkörperkrebs, Magenkrebs, Dünndarmkrebs und Eierstockkrebs, besteht. Etwa drei Prozent aller Darmkrebsfälle gehen auf das Lynch-Syndrom zurück. Mithilfe von Screening-Tests kann festgestellt werden, ob bei einem Patienten eine entsprechende Veranlagung vorliegt oder nicht. Doch möchten Darmkrebspatienten einen solchen Test überhaupt durchführen lassen? Dieser Frage gingen Wissenschaftler in einer Studie nach, deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift Cancer erschienen.

Bisherige Leitlinien empfehlen einen Test auf das Lynch-Syndrom bei Darmkrebspatienten, in deren Familie bestimmte Krebserkrankungen gehäuft aufgetreten sind und die selbst bei der Darmkrebsdiagnose noch jung waren. Nach Ansicht von Experten lassen sich auf diese Weise jedoch längst nicht alle Menschen mit der Veranlagung zum Lynch-Syndrom erkennen.

In der aktuellen Studie wurden 145 Darmkrebspatienten im Alter von 39 bis 87 Jahren dazu befragt, ob sie an einem Test für das Lynch-Syndrom teilnehmen und welche Vorteile sie sich davon versprechen würden. Die Mehrheit der Befragten nahm an, aus dem Screening Vorteile für sich ziehen zu können, etwa künftig das eigene Krebsrisiko, aber auch das von Familienangehörigen besser einschätzen zu können oder auch zu verstehen, weshalb es zu ihrer Darmkrebserkrankung gekommen ist. Allerdings waren sich die Patienten auch über mögliche Nachteile eines Tests bewusst, wobei vor allem die finanziellen Kosten für zusätzliche Tests und Untersuchungen genannt wurden. Die meisten Patienten gingen von einem negativen Testergebnis aus. Nur sechs Prozent nahmen an, dass sie tatsächlich eine Veranlagung für das Lynch-Syndrom und damit eine erbliche Variante von Darmkrebs haben könnten – es waren diejenigen, bei denen Darmkrebs in der Familie bereits mehrfach vorgekommen war. Starken Stress erlebten indes nur drei Patienten (zwei Prozent), die anderen blieben ob des Angebots gelassen.

Nach Ansicht der Studienautoren zeige die Befragung, dass Darmkrebspatienten einem Screening auf das Lynch-Syndrom gegenüber weitgehend positiv eingestellt seien.

 

Quelle:

Hunter, J. E. et al.: Universal Tumor Screening for Lynch Syndrome: Assessment of the Perspectives of Patients With Colorectal Cancer Regarding Benefits and Barriers. Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 2. Juni 2015, 10.1002/cncr.29470

(kvk)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

Zurück

Aktualisiert am: 18.08.2017 15:05