CLL plötzlich aggressiv: Was passiert?

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Wenn eine chronisch lymphatische Leukämie in ein aggressives B-Zelllymphom übergeht, verschlechtern sich die Überlebensaussichten. Wissenschaftler konnten nun ein Eiweiß identifizieren, dass an dieser Entwicklung wesentlich beteiligt ist.

Die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) verläuft in den meisten Fällen langsam, viele Patienten benötigen über Jahre keine Therapie. Doch gibt es Ausnahmen, in denen sich aus der wenig aggressiven CLL ein aggressives Lymphom entwickelt. Hieran ist offenbar das Eiweiß NFAT2 entscheidend beteiligt, wie Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Nature Communications berichteten.

Bei der CLL verändern sich die sogenannten B-Lymphozyten des Immunsystems. Etwa jeder zehnte CLL-Patient entwickelt im Krankheitsverlauf ein aggressives B-Zelllymphom („Richter-Syndrom“) – sein Gesundheitszustand und die Prognose verschlechtern sich dann rapide. Die Forscher stellten nun einen Zusammenhang zwischen dieser Entwicklung und dem Eiweiß NFAT2 fest. 

Sogenannte NFAT (nuclear factor of activated T-cells) befinden sich in Lymphozyten und bewirken eine vermehrte Bildung von Botenstoffen des Immunsystems, sogenannten Zytokinen wie Interleukin-2. Wird NFAT2 in Mäusen, die an CLL erkrankt sind, ausgeschaltet, kommt es zu einem deutlich verstärkten Krankheitsverlauf, ähnlich dem Richter-Syndrom beim Menschen. Zudem, so stellten es die Forscher fest, weisen die Leukämiezellen von Patienten mit einem langsamen Verlauf der CLL große Mengen an NFAT2 auf, während bei Patienten mit aggressiverem Krankheitsverlauf deutlich weniger NFAT2 gebildet wird. Bei Patienten, aus deren CLL sich schließlich ein B-Zelllymphom entwickelt, kommt die Bildung von NFAT2 sogar gänzlich zum Erliegen.

Offenbar, so die Studienautoren, bewirke NFAT2 in den erkrankten Lymphozyten der CLL eine Art Ruhezustand, der verlorengeht, sobald die Produktion Eiweißes in den Zellen nachlässt. Dies könne womöglich therapeutisch ausgenutzt werden.

 

Quelle:

Märklin, M. et al.: NFAT2 is a critical regulator of the anergic phenotype in chronic lymphocytic leukaemia. Nature Communications 2017, 8(755), doi:10.1038/s41467-017-00830-y  

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.11.2017 17:14