Chronische myeloische Leukämie: Langfristig gute Überlebensaussichten

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Auf dem ASCO 2016 wurden die ersten Langzeitergebnisse zur Erstbehandlung der CML mit einem Tyrosinkinasehemmer der zweiten Generation vorgestellt.

Bei der Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie (CML) können sogenannte Tyrosinkinasehemmer die Krankheit zum Stillstand bringen. Dies gelingt, wenn der Wirkstoff Dasatinib eingesetzt wird, ein Tyrosinkinasehemmer der zweiten Generation, offenbar auch langfristig gut, wie auf der diesjährigen Jahrestagung der American Society of Oncology in Chicago berichtet wurde.

Prinzip „Tyrosinkinasehemmung“ bei CML

Tyrosinkinasehemmer können bei CML gut wirken, weil die Krankheit meist durch eine Veränderung auf dem Chromosom 22, dem sogenannten Philadelphia-Chromosom (BCR-ABL), hervorgerufen wird. Hierdurch wird eine Tyrosinkinase gestärkt, die zur ungehemmten Vermehrung weißer Blutkörperchen, der Leukozyten, und damit zur Krankheitsentstehung beiträgt. Wird die Tyrosinkinase durch einen entsprechenden Hemmstoff geblockt, lässt sich der Krankheitsprozess aufhalten. Der erste zugelassene Wirkstoff dieser Art war der Tyrosinkinasehemmer Imatinib, inzwischen wurden Dasatinib und Nilotinib, Wirkstoffe der zweiten Generation, für die Therapie der CML zugelassen. Sie führen nachweislich zu höheren Ansprechraten (s. DKG-Meldung vom 25. April 2016).

Beobachtungszeit fünf Jahre und mehr

Nun konnten aus der ersten Phase II-Studie mit Dasatinib für die Ersttherapie von CML-Patienten in der chronischen Phase zum ersten Mal Langzeitergebnisse berichtet werden. An dieser Studie hatten 150 Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie in der chronischen Phase teilgenommen, die zuvor noch keine Behandlung erhalten hatten. Die Hälfte von ihnen war bei der Diagnose mindestens 48 Jahre alt, ebenso wurde die Hälfte der Patienten mehr als fünf Jahre lang beobachtet.

Auch nach mehreren Jahren noch gute Ansprechraten

Infolge der Therapie mit Dasatinib wurde bei neun von zehn Patienten (93%) eine komplette zytogenetische Response erreicht, d.h. bei ihnen konnte bei einer Chromosomenanalyse im Knochenmark kein Philadelphia-Chromosom mehr nachgewiesen werden. Ein gutes molekulares Ansprechen (MMR), bei dem die Tumorlast verglichen mit dem Ausgangswert um mindestens den Faktor 1.000 gesenkt wurde, erreichten 87 Prozent der Patienten. Dies entspricht einem Verhältnis von BCR-ABL-Genen zu einem Kontrollgen von höchstens 0,1% nach dem Internationalen Standard. Bei 70 Prozent der Patienten wurde sogar ein MR4.5 erreicht, bei dem das Verhältnis von BCR-ABL-Genen zu einem Kontrollgen weniger als 0,0032% beträgt – die Hälfte der Patienten wies diesen Wert nach mindestens zwei Jahren immer noch auf.

Gute langfristige Überlebensaussichten

Nach sieben Jahren betrug das Gesamtüberleben 94 Prozent, 91 Prozent der Patienten hatten kein weiteres Krankheitsereignis erlebt. Drei Viertel der Patienten setzten die Behandlung fort. Gründe für einen Abbruch der Therapie waren vor allem Nebenwirkungen (elf Prozent) oder nicht mehr ansprechende Krankheit (sechs Prozent). Nach Ansicht der Studienautoren sprechen die Ergebnisse für eine gute Langzeitwirkung und auch langfristig hohe Sicherheit einer Ersttherapie mit Dasatinib bei Patienten mit CML in der chronischen Phase.

 

Quelle:

Maiti, A. et al.: Long term follow-up of frontline dasatinib in patients (pts) with early chronic phase chronic myeloid leukemia (CML-CP). 2016 ASCO Annual Meeting, Abstract No:e18542; J Clin Oncol 34, 2016 (suppl; abstr e18542)

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 17.11.2017 13:18