Chemotherapie vor der Operation bei grenzwertig operablem Bauchspeicheldrüsenkrebs

Nachricht vom 24.02.2023

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Sie kann die Aussichten womöglich verbessern.

Bei grenzwertig operablem, sogenanntem Borderline-operablem, duktalem Bauchspeicheldrüsenkrebs wird empfohlen, vor der Operation eine Chemostrahlentherapie durchzuführen. Die Ergebnisse einer Studie aus Großbritannien und Deutschland, die in der Fachzeitschrift Lancet Gastroenterology & Hepatology veröffentlicht wurden, bestätigen zumindest teilweise den Nutzen eines solchen Vorgehens. 

Hintergrund ist die Tatsache, dass bei vielen Patienten mit Borderline-operablem Bauchspeicheldrüsenkrebs eine Operation nur eingeschränkt oder gar nicht durchgeführt werden kann und die Überlebensaussichten trotz nachfolgender adjuvanter Chemotherapie insgesamt ungünstig sind. Von der neoadjuvanten Therapie im Vorfeld der Operation erhoffen sich die Mediziner ein Zurückdrängen und Schrumpfen des Tumors, sodass er letztlich doch noch gut operiert werden kann. In der ESPAC5-Studie, die an 16 Zentren in Großbritannien und Deutschland lief, wurde dies bei 90 Patienten ab 18 Jahren getestet. Sie waren an einem duktalen Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse erkrankt, der Tumor erwies sich als grenzwertig operabel. Die Teilnehmer wurden entweder sofort operiert oder erhielten eine neoadjuvante Chemotherapie, wobei eines von drei verschiedenen Regimen angewendet wurde. Nach der sich anschließenden Operation erhielten alle Patienten noch eine unterstützende adjuvante Therapie.

80% der Patienten aus den neoadjuvanten Therapiegruppen führten die geplante Therapie vor der Operation auch vollständig durch. Nach der neoadjuvanten Therapie wurde gut die Hälfte der Patienten operiert, wobei der Tumor bei einem Viertel von ihnen vollständig entfernt werden konnte. Dies gelang in der Gruppe mit sofortiger Operation nur bei 14% der Patienten. Überlebensvorteile zeigten sich für die neoadjuvante Therapiegruppe nach einem Jahr sowohl im krankheitsfreien Überleben als auch im Gesamtüberleben. Die häufigsten Nebenwirkungen Grad 3-4 der neoadjuvanten Therapie waren ein Abfall der weißen Blutzellen, Infektionen und ein Anstieg des Blutzuckers.

Die kurzzeitige neoadjuvante Chemotherapie schnitt im Hinblick auf die Überlebensaussichten am besten ab. Nach Ansicht der Studienautoren unterstützten die Ergebnisse der Studie die Anwendung einer kurzzeitigen Chemotherapie vor der Operation bei Patienten mit grenzwertig operablem Bauchspeicheldrüsenkrebs.

 

Quelle:

Ghaneh P et al. Immediate surgery compared with short-course neoadjuvant gemcitabine plus capecitabine, FOLFIRINOX, or chemoradiotherapy in patients with borderline resectable pancreatic cancer (ESPAC5): a four-arm, multicentre, randomised, phase 2 trial. Lancet Gastroenterology & Hepatology 2023; 8:157-68

 

(KvK)

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