Chemotherapie bei Burkitt-Lymphom dem Risiko anpassen

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Eine Risiko-angepasste Chemotherapie erlaubt es, bei Patienten mit Burkitt-Lymphom unnötig aggressive Therapien zu vermeiden.

Beim Burkitt-Lymphom, einem aggressiven B-Zelllymphom, kann den Patienten mit einer dosisintensiven Chemotherapie, bei der zahlreiche Wirkstoffe miteinander kombiniert werden, in vielen Fällen geholfen werden. Jedoch hat die Behandlung ihren Preis in Form von Nebenwirkungen. Nun testeten Wissenschaftler, ob es möglich ist, die Dosis an die individuelle Situation des Patienten anzupassen, ohne Einbußen im Behandlungserfolg befürchten zu müssen. Über ihre Ergebnisse berichteten sie in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology.

Bei der dosisintensiven Chemotherapie kommen verschiedene Zytostatika, also „Zellgifte“, zum Einsatz, die sich in ihrer Wirkung ergänzen. Nun unterteilten die Forscher in ihrer aktuellen Studie die teilnehmenden 113 Patienten in Patienten mit Hoch-Risiko-Krankheit und Patienten mit Niedrig-Risiko-Krankheit. Bei einem Hoch-Risiko-Tumor besteht ein hohes Risiko, dass der Tumor selbst nach zunächst erfolgreicher Behandlung zurückkehrt und sich in das Zentrale Nervensystem (ZNS) ausbreitet. Die Patienten mit niedrigem Risiko erhielten drei Zyklen Chemotherapie, ohne eine spezielle Vorbeugung von Metastasen ins ZNS. Die Patienten mit Hoch-Risiko-Krankheit hingegen wurden mit sechs Zyklen Chemotherapie und einer speziellen Prophylaxe von Metastasen ins ZNS behandelt, indem Wirkstoffe unmittelbar in den Liquorraum (intrathekal), also das mit Liquor gefüllte Hohlraumsystem im bzw. um das Gehirn und Rückenmark herum, verabreicht wurden.

Nach einer Beobachtungszeit von fast fünf Jahren waren insgesamt noch 87 Prozent der Patienten am Leben, 84,5 Prozent hatten kein weiteres Krankheitsereignis erlebt. Letzteres betraf in der Niedrig-Risiko-Gruppe alle Patienten, in der Hoch-Risiko-Gruppe 82 Prozent. Die Behandlung hatte sich in allen Altersgruppen jeweils als effizient erwiesen, sie wirkte außerdem unabhängig davon, ob die Patienten HIV-infiziert waren oder nicht. Das Burkitt-Lymphom tritt bei einer HIV-Infektion häufig auf, weshalb die HIV-Infektion in Studien oft als ein potenzieller Einflussfaktor berücksichtigt wird.

Am höchsten war das Sterberisiko, wenn der Tumor das ZNS befiel. Für diese Patienten müssten, so die Schlussfolgerung der Studienautoren, noch wirksamere Therapieoptionen entwickelt werden. Ansonsten habe sich in der Studie gezeigt, dass eine Risiko-angepasste Kombinationschemotherapie bei Patienten mit Burkitt-Lymphom unabhängig vom Alter oder HIV-Status wirksam sein kann und gut vertragen wird. 

 

Quelle:

Roschewski M et al. Multicenter Study of Risk-Adapted Therapy With Dose-Adjusted EPOCH-R in Adults With Untreated Burkitt Lymphoma. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 26. Mai 2020, DOI: 10.1200/JCO.20.00303

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 02.07.2020 15:44