Chemo nicht gebraucht

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In bestimmten Fällen kann bei hormonempfindlichem frühem Brustkrebs nach der Operation auf eine Chemotherapie zusätzlich zur Antihormontherapie verzichtet werden.

Bei Patientinnen mit hormonempfindlichem, HER2-negativem Brustkrebs, der laut Untersuchung noch keine Lymphknoten befallen hat, lässt sich das Risiko für Fernmetastasen mit einem Test bestimmen, in den die Ausprägung von 21 Genen einfließt, dem sogenannten Oncotype DX Recurrence Score (RS). Wird dabei ein hohes Risiko (26 Punkte oder mehr) festgestellt, wird nach der Operation der antihormonellen Therapie noch eine Chemotherapie hinzugefügt, um die Gefahr für die Tumorausbreitung zu senken. Patientinnen mit einem mittleren Risiko (11 bis 25 Punkte) benötigen diese zusätzliche Chemotherapie offenbar nicht, wie Wissenschaftler jetzt auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO) berichteten.

Bei der Fernmetastasierung breitet sich der Krebs in andere Organe aus und bildet dort Tochtergeschwülste. Das Risiko dafür kann bei hormonempfindlichem Brustkrebs durch eine sogenannte adjuvante („unterstützende“) antihormonelle Therapie nach der Operation gesenkt werden. Die zusätzliche Chemotherapie bringt nachweislich einen weiteren Vorteil, wenn das Metastasierungsrisiko aufgrund bestimmter Genausprägungen hoch ist. 

An der aktuellen Studie nun nahmen mehr als 10.000 Frauen im Alter von 18 bis 75 Jahren teil, bei denen hormonempfindlicher, HER2-negativer Brustkrebs ohne Lymphknotenmetastasen diagnostiziert worden war. Die Patientinnen, bei denen im Risikoscore ein mittleres Risiko festgestellt wurde, erhielten entweder nur adjuvante Antihormontherapie oder adjuvante Antihormontherapie plus Chemotherapie.

Wie sich herausstellte, hatten die Patientinnen, die nur Antihormontherapie erhalten hatten, in der Beobachtungszeit von sieben Jahren und mehr keinen Nachteil: Sowohl das rückfallfreie Überleben, als auch die Zeit ohne Fernmetastasen und das Gesamtüberleben waren in dieser Gruppe nicht schlechter als in der Gruppe, die antihormonelle Therapie und Chemotherapie erhalten hatte. Mehr Therapie erwies sich in dieser Studie und bei dieser Patientinnengruppe somit nicht als hilfreich, lautete die abschließende Botschaft der Studienautoren.

 

Quelle:

Sparano J A et al. TAILORx: Phase III trial of chemoendocrine therapy versus endocrine therapy alone in hormone receptor-positive, HER2-negative, node-negative breast cancer and an intermediate prognosis 21-gene recurrence score. ASCO 2018; Journal of Clinical Oncology 2018, 36, suppl; abstr LBA1

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 25.09.2018 17:42