Brustkrebstherapie unter Umständen reduzieren

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Die unterstützende Therapie mit dem HER2-Antikörper Trastuzumab kann bei HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium womöglich verkürzt werden, ohne dass dies die Wirksamkeit beeinträchtigt.

Krebstherapien sind überlebensnotwendig, aber auch aggressiv und mit teils erheblichen Nebenwirkungen verbunden. In der medizinischen Forschung wird deshalb versucht, einerseits verträglichere Wirkstoffe herzustellen, andererseits herauszufinden, ob auch geringere Dosen der vorhandenen Wirkstoffe die nötige Effizienz erzielen können. So beim HER2-Antikörper Trastuzumab in der adjuvanten Behandlung von Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium in einer Studie, deren Ergebnisse beim diesjährigen Treffen der American Society of Clinical Oncology ASCO vorgestellt wurden.

Wenn Brustkrebszellen auf ihrer Oberfläche vermehrt Bindungsstellen (Rezeptoren) für den sogenannten epidermalen Wachstumsfaktor (human epidermal growth factor) ausbilden, werden sie als HER2-positiv bezeichnet. Der Wachstumsfaktor kann dann an HER2 andocken und das Wachstum der Krebszellen befördern. Um diesen Prozess zu unterbinden, erfolgt nach der Operation eine unterstützende (adjuvante) Therapie mit dem HER2-Antikörper Trastuzumab, der sich anstelle des Wachstumsfaktors an den Rezeptor bindet. 

In der PERSEPHONE-Studie nun wurde untersucht, ob die bislang üblicherweise ein Jahr dauernde Therapie bei Frauen mit frühem HER2-positivem Brustkrebs bedenkenlos verkürzt werden kann. 4.089 Patientinnen an 152 Kliniken in Großbritannien nahmen an der Studie teil. Sie erhielten nach der Operation eine adjuvante Chemotherapie und entweder sechs oder zwölf Monate lang Trastuzumab.

Untersucht wurde, ob die sechsmonatige Therapie der zwölfmonatigen nicht unterlegen wäre, wobei sich das krankheitsfreie Überleben um nicht mehr als drei Prozent verschlechtern durfte - vorausgesetzt, es wurde überhaupt ein krankheitsfreies Überleben in vier Jahren von mindestens 80 Prozent erreicht. In beiden Therapiegruppen betrug das krankheitsfreie Überleben nach vier Jahren 89 Prozent, die Nichtunterlegenheit der verkürzten Therapie wurde mit statistischer Signifikanz nachgewiesen. Ähnlich vergleichbare Ergebnisse zwischen den Therapiegruppen wurden bezüglich des Gesamtüberlebens gefunden. Hingegen konnte durch die verkürzte Therapiezeit die Zahl der Therapieabbrüche aufgrund von therapiebedingten Herzkreislaufereignissen halbiert werden.

Nach Ansicht der Studienautoren habe sich damit gezeigt, dass eine sechsmonatige adjuvante Therapie mit Trastuzumab bei HER2-positivem frühem Brustkrebs gleichermaßen effizient und zugleich verträglicher sein könne als die zwölfmonatige.

 

Quelle:

Earl H. M. et al. PERSEPHONE: 6 versus 12 months (m) of adjuvant trastuzumab in patients (pts) with HER2 positive (+) early breast cancer (EBC): Randomised phase 3 non-inferiority trial with definitive 4-year (yr) disease-free survival (DFS) results. Journal of Clinical Oncology 2018, 36 (suppl; abstr 506)

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.10.2018 16:26