Brustkrebsscreening im Fokus

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Tastuntersuchung, risikoangepasste und allgemeine Mammografie: Welche Methode ist die beste?

Als Maßnahmen für die Früherkennung von Brustkrebs gelten die Tastuntersuchung, die jede Frau selbst, aber auch der Frauenarzt bei der gynäkologischen Vorsorge vornehmen kann, und die Mammografie. Nun überprüften Wissenschaftler aus Taiwan in einer Studie, ob und in welchem Ausmaß eine der beiden Untersuchungsmethoden der anderen überlegen ist. Die Ergebnisse erschienen kürzlich in der Fachzeitschrift JAMA Oncology.

Risikobasiertes versus allgemeines Mammografiescreening

Die Forscher verglichen das risikobasierte und das allgemeine Mammografiescreening mit der jährlichen Tastuntersuchung durch den Gynäkologen. Beim risikobasierten Mammografiescreening werden nur diejenigen Frauen zum Screening eingeladen, die bekannte Risikofaktoren aufweisen, beim allgemeinen Mammografiescreening alle, die das entsprechende Lebensalter erreicht haben. Grundlage des risikoangepassten Mammografiescreenings war die niedrige Zahl an Brustkrebsfällen in Taiwan in den Jahren 2002-2004. Von 2004 bis 2009 wurde dann in Taiwan ein allgemeines Mammografiescreening für Frauen von 50 bis 69 Jahren installiert. Beide Untersuchungsarten fanden laut Studie alle zwei Jahre statt. 

Ermittelt wurde, wie häufig Brustkrebs ab dem Stadium II in den drei Untersuchungsgruppen vorkam, und wieviele Sterbefälle an Brustkrebs es gab. Auch wurden die drei Untersuchungsstrategien hinsichtlich der Gefahr der „Überdiagnostizierung“ untersucht. Grundlage waren die Daten von fast 1,5 Millionen Frauen, die keine Brustkrebssymptome aufwiesen und sich einem Brustkrebsscreening mit einer der angegebenen Methoden unterzogen. 

Allgemeine Mammografie senkt die Erkrankungs- und Sterbezahlen

Mithilfe des allgemeinen alle zwei Jahre stattfindenden Mammografiescreenings wurden die meisten Brustkrebsfälle aufgedeckt, gefolgt vom risikobasierten Mammografiescreening. Am niedrigsten war die Aufklärungsrate bei der jährlichen Tastuntersuchung. Das allgemeine alle zwei Jahre stattfindende Mammografiescreening ging im Vergleich zur jährlichen Tastuntersuchung mit einer Senkung des Sterberisikos um 41 Prozent und einer Senkung der Häufigkeit von Brustkrebs im Stadium II oder mehr um 30 Prozent einher. Beim risikobasierten Mammografiescreening war die Erkrankungsrate an Brustkrebs im Stadium II oder mehr zwar ebenfalls (wenn auch nur geringfügig um acht Prozent) niedriger als bei der Tastuntersuchung, jedoch gab es hier keine signifikante Senkung des Sterberisikos. Sogenannte Überdiagnosen, bei denen sich falsch positive Brustkrebsbefunde ergeben, die später korrigiert werden müssen, kamen bei der Tastuntersuchung und dem risikobasierten Screening in ähnlicher Zahl vor, beim allgemeinen Mammografiescreening traten sie zu 13 Prozent mehr auf, was nicht signifikant war.

Fazit der Studienautoren

Mit Hilfe des allgemeinen Mammografiescreenings können, so die Studienautoren, weit mehr Brustkrebsfälle erkannt und Sterbefälle an Brustkrebs verhindert werden als mit der jährlichen Tastuntersuchung. Auch ein risikobasiertes Screening kann Verbesserungen bringen, aber in einem offenbar deutlich geringeren Ausmaß.

 

Quelle:

Yen, A. M.-F. et al.: Population-Based Breast Cancer Screening With Risk-Based and Universal Mammography Screening Compared With Clinical Breast Examination. A Propensity Score Analysis of 1 429 890 Taiwanese Women. JAMA Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 31. März 2016, doi:10.1001/jamaoncol.2016.0447

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 21.11.2017 17:21