Brustkrebs: Wie wahrscheinlich sind Hirnmetastasen?

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In einer Studie wurde untersucht, wer bei Brustkrebs am häufigsten an Hirnmetastasen erkrankt und wie es sich dann mit der Prognose verhält.

Im fortgeschrittenen Stadium breitet sich Brustkrebs in andere Organe aus und bildet dort Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen. Auch das Gehirn kann davon betroffen sein. Offenbar besteht die höchste Wahrscheinlichkeit für Hirnmetastasen bei sogenanntem triple-negativem Brustkrebs. Dies berichteten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift JAMA-Oncology.

Die Forscher stützten sich bei ihrer Analyse auf die Daten von rund 232.000 Brustkrebspatienten, die ihre Diagnose zwischen 2010 und 2013 erhalten hatten. Bei 0,4 Prozent von ihnen, darunter auch bei zehn Männern, wurden Hirnmetastasen festgestellt. Gemessen an den Patienten, die überhaupt Metastasen entwickelt hatten, waren es 7,6 Prozent. 

Am häufigsten waren Patienten mit Hormonrezeptor-negativem, aber bezüglich des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors 2 (HER2) positivem Brustkrebs von Hirnmetastasen betroffen. Diese Tumoren sind unempfindlich gegenüber der Wirkung weiblicher Geschlechtshormone (Hormonrezeptor-negativ), aber sie sind mit Bindungsstellen für den epidermalen Wachstumsfaktor ausgestattet, der ihr Wachstum fördert. Auch Patienten mit triple-negativen Tumoren erkrankten häufiger an Hirnmetastasen. Diese Tumoren weisen keine therapierelevante Ausprägung hormoneller Bindungsstellen (Östrogenrezeptor, Progesteronrezeptor) und Bindungsstellen des humanen epidermalen Wachstumsfaktors auf, weshalb sie als „dreifach negativ“ deklariert werden.

Von den Patienten mit Hirnmetastasen lebte die Hälfte zehn Monate und länger. Die längsten Überlebenszeiten hatten Patienten mit Hormonrezeptor-positivem, HER2-positivem Brustkrebs (die Hälfte der Patienten 21 Monate und länger), die kürzesten Überlebenszeiten kam bei Patienten mit triple-negativer Krankheit vor (die Hälfte der Patienten sechs Monate und länger).

Vor allem bei Brustkrebspatienten mit HER2-positiver oder triple-negativer Krankheit und Metastasen müsse das Gehirn mit bildgebenden Verfahren untersucht werden, um eventuelle Metastasen festzustellen, so die Schlussfolgerung der Studienautoren. 

 

Quelle:

Martin, A. M. et al.: Brain Metastases in Newly Diagnosed Breast Cancer. A Population-Based Study. JAMA Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 16. März 2017, doi:10.1001/jamaoncol.2017.0001

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 23.08.2017 16:34