Brustkrebs: Wenn Chemotherapie und das Immunsystem zusammenwirken

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Eine hohe Konzentration an bestimmten Immunzellen im Krebsgewebe deuten auf ein gutes Ansprechen auf die Chemotherapie vor der Operation und eine bessere Prognose hin – jedoch nicht bei allen Tumortypen.

Bösartige Tumoren können nicht nur durch Therapien, die von außen zugeführt werden, bekämpft werden – auch das körpereigene Immunsystem setzt sich mit den Krebszellen auseinander und versucht, diese zu zerstören. Mitunter wirken Krebstherapien und Immunsystem Hand in Hand. Deshalb kann der Nachweis von Immunzellen, die das Tumorgewebe durchsetzen, sogenannten tumorinfiltrierenden Lymphozyten, den Erfolg einer Behandlung anzeigen, wie dies bei Brustkrebs bei einer unterstützenden (neoadjuvanten) Chemotherapie vor der Operation der Fall ist. Allerdings kommt es hier auf die Art des Tumors an, wie einem Bericht in der Fachzeitschrift Lancet Oncology zu entnehmen ist.

In der Studie untersuchten Wissenschaftler anhand der Daten von 2560 Brustkrebspatientinnen, wie es sich mit dem Zusammenhang von tumorinfiltrierenden Lymphozyten, kurz TIL genannt, und der Prognose verhält. Alle Frauen hatten vor der Operation eine unterstützende Chemotherapie erhalten. Die höchsten Konzentrationen von TIL fanden sich bei Triple-negativen Brusttumoren. Diese Tumoren haben auf der Oberfläche ihrer Zellen keine Bindungsstellen (Rezeptoren) für Östrogen, Progesteron und HER2. Die TIL hatten bei diesen Tumoren den größten Einfluss auf den Krankheitsverlauf – je mehr TIL im Tumorgewebe vorhanden waren, desto besser waren die Überlebensraten, wobei sich mit jeder Zunahme der TIL um zehn Prozent das krankheitsfreie Überleben verlängerte. Auch bei HER2-positiven Brusttumoren gab es einen solchen Zusammenhang.

Bei luminalem HER2-negativem Brustkrebs hingegen spielte es für das Überleben keine Rolle, wieviele TIL im Krebsgewebe vorhanden waren. Bei diesen Tumoren haben die Krebszellen auf ihrer Oberfläche überdurchschnittlich viele Östrogen– oder Progesteronrezeptoren, weshalb sie in der Regel gut auf eine antihormonelle Therapie ansprechen. Insgesamt fanden sich bei diesen Tumoren weniger TIL als bei den nicht-hormonempfindlichen Tumoren. Wie die Forscher berichteten, kommt es beim luminalen Brustkrebs offenbar zu einer anderen Art von Immunreaktion. Bestimmte Immunzellen, sogenannte Makrophagen, im Tumor zeigen dann sogar ungünstigere Überlebenschancen an, während etwa viele B-Lymphozyten mit einer besseren Prognose verbunden sind.

Bei allen Tumortypen zeigte eine erhöhte Konzentration an TIL im Krebsgewebe das Ansprechen auf die neoadjuvante Chemotherapie an. Mit verbesserten Überlebenschancen jedoch war sie nur bei HER2-positiven und Triple-negativen Brusttumoren verbunden. Dies müsse in weiteren Studien näher untersucht werden, so die Studienautoren. 

 

Quelle:

Denkert C et al. Tumour-infiltrating lymphocytes and prognosis in different subtypes of breast cancer: a pooled analysis of 3771 patients treated with neoadjuvant therapy. Lancet Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 7. Dezember 2017, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(17)30904-X

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 16.01.2018 16:09