Brustkrebs: Lymphknoten befallen oder nicht?

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Die amerikanische Gesellschaft für klinische Onkologie veröffentlichte neue Leitlinien dazu, wann bei Brustkrebs die Wächterlymphknoten untersucht werden sollten und welche Konsequenzen aus den Untersuchungsergebnissen folgen.

Um festzustellen, wie weit fortgeschritten eine Erkrankung an Brustkrebs bereits ist, können die sogenannten Wächter- oder Sentinellymphknoten mittels Gewebeentnahme (Biopsie) untersucht werden, welche dem Tumor auf den Lymphabflusswegen am nächsten liegen. Nun wurden von der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO) entsprechend den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aktuelle Empfehlungen für das Vorgehen hinsichtlich Sentinellymphknotenbiopsien veröffentlicht (Journal of Clinical Oncology).

Wann sollten die Achsellymphknoten entfernt werden?

Die Forscher stützten sich bei ihren Empfehlungen auf die Daten aus acht Studien, nachdem sie insgesamt 184 Publikationen der letzten Jahre gesichtet hatten. Demnach kann bei Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium, bei denen kein Befall von Sentinellymphknoten festgestellt werden kann, auf die operative Entfernung der Lymphknoten in der Achselhöhle verzichtet werden. Auch darf auf die Entfernung der Achsellymphknoten verzichtet werden, wenn sich Frauen mit frühem Brustkrebs und einer oder zwei Metastasen (Tochtergeschwülste) in den Sentinellymphknoten einer brusterhaltenden Operation mit Bestrahlung der gesamten Brust unterziehen. Hingegen sollte Patientinnen mit positivem Sentinellymphknotenbefall die Entfernung der Achsellymphknoten empfohlen werden, wenn sie sich die erkrankte Brust operativ entfernen lassen.

Wann ist die Biopsie der Wächterlymphknoten zu empfehlen?

Bei operablem Brustkrebs sollte Patientinnen in folgenden Fällen eine Sentinellymphknotenbiopsie angeboten werden: Wenn sie Tumorknoten in mehreren Brustquadranten aufweisen (multizentrischer Brustkrebs), wenn sie ein duktales Karzinoma in situ (eine Vorstufe von Brustkrebs, der noch auf die Milchgänge begrenzt ist) haben und sich einer Entfernung der gesamten Brust unterziehen, wenn sie bereits eine frühere Brust- und/oder Achselhöhlenoperation hinter sich haben oder wenn sie vor der Operation unterstützende (neoadjuvante) systemische, also im ganzen Körper wirkende Therapien erhalten haben.

Verzicht auf Biopsie der Wächterlymphknoten

Bei Frauen mit großen Tumoren oder lokal fortgeschrittenem invasivem Brustkrebs (Tumoren im Stadium T3/4), mit entzündlichem (inflammatorischem) Brustkrebs oder mit duktalem Karzinoma in situ, bei dem eine brusterhaltende Operation geplant ist, sowie bei schwangeren Patientinnen sollte auf eine Biopsie der Sentinellymphknoten verzichtet werden.

 

Quelle:

Lyman, G. H. et al.: Sentinel Lymph Node Biopsy for Patients With Early-Stage Breast Cancer: American Society of Clinical Oncology Clinical Practice Guideline Update. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 12. Dezember 2016, DOI: 10.1200/JCO.2016.71.0947

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 17.08.2017 17:03