Brustkrebs im Frühstadium: Nur die erkrankte Stelle bestrahlen

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Laut einer Studie reicht es bei Brustkrebs im Frühstadium aus, wenn die Brust nach der brusterhaltenden Operation nur teilweise bestrahlt wird – ein höheres Risiko für einen lokalen Rückfall ist dann offenbar nicht zu befürchten.

Brustkrebspatientinnen mit einem Tumor im Frühstadium wird empfohlen, nach der brusterhaltenden Operation noch eine Strahlentherapie durchzuführen. Sie können dadurch das Risiko, an der ursprünglichen Tumorstelle einen Rückfall zu erleiden, erheblich senken. Dabei reicht es vermutlich aus, die Strahlung auf genau den Teil der Brust zu richten, der erkrankt war. Dies geht aus den Ergebnissen einer Studie in der Fachzeitschrift Lancet hervor.

Die bislang übliche Bestrahlung der gesamten Brust einzuschränken und den Strahlenfokus auf die ursprünglich erkrankte Stelle zu richten schont das gesunde Brustgewebe und minimiert dadurch Nebenwirkungen. Allerdings sollte sichergestellt sein, dass dies nicht zu Einschränkungen der Wirksamkeit der Strahlentherapie führt. Dies wollten die Wissenschaftler in einer Studie überprüfen. Zu diesem Zweck rekrutierten sie Frauen ab 50 Jahren mit Brustkrebs im Frühstadium. Die Tumoren waren höchstens drei Zentimeter groß (Tumorstadium T1-2), höchstens drei Lymphknoten waren befallen (N0-1). Die Teilnehmerinnen wurden nach dem Zufallsprinzip auf drei Behandlungsgruppen aufgeteilt: Die übliche Ganzbrustbestrahlung mit einer Gesamtdosis von 40 Gy (Kontrollgruppe; 674 Patientinnen), eine Ganzbrustbestrahlung mit 36 Gy und Teilbrustbestrahlung mit 40 Gy (Gruppe mit reduzierter Dosis; 673 Patientinnen) oder eine Teilbrustbestrahlung mit 40 Gy (Gruppe mit Teilbrustbestrahlung; 669 Patientinnen). Die Therapie fand jeweils in 15 Einzelsitzungen statt.

Nach fünf Jahren hatten 1,1 Prozent der Patientinnen der Kontrollgruppe mit üblicher Ganzbrustbestrahlung einen lokalen Rückfall am Ursprungsort des Tumors erlitten. In der Gruppe mit Ganz- und Teilbrustbestrahlung mit reduzierter Dosis geschah dies bei 0,1 Prozent der Patientinnen, in der Gruppe mit Teilbrustbestrahlung bei 0,5 Prozent. Damit, so die Studienautoren, war die Teilbrustbestrahlung, bei der nur die ursprünglich erkrankte Stelle der Brust bestrahlt worden war, der üblichen Ganzbrustbestrahlung in ihrer Wirksamkeit nicht unterlegen. Gleichzeitig erlitten die Patientinnen, deren Brust nur teilweise bestrahlt worden war, weniger Komplikationen als die Patientinnen, die die übliche Ganzbrustbestrahlung erhalten hatten.

Nach Ansicht der Forscher sei es demnach offenbar gerechtfertigt, bei Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium nach der brusterhaltenden Operation den Fokus der Strahlentherapie auf die ursprünglich erkrankte Stelle in der Brust zu richten und mit einer Teilbrustbestrahlung anstelle von Ganzbrustbestrahlung das Komplikationsrisiko zu senken.

 

Quelle:

Coles, C. E. et al.: Partial-breast radiotherapy after breast conservation surgery for patients with early breast cancer (UK IMPORT LOW trial): 5-year results from a multicentre, randomised, controlled phase 3, non-inferiority trial. Systematisches Review und Metaanalyse. Lancet Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 2. August 2017, http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(17)31145-5

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 19.11.2017 23:25