Brustkrebs: Bestrahlung bei einzelnen Metastasen

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Mit der stereotaktischen Bestrahlung kann eine gute lokale Kontrolle erreicht werden.

Die Überlebensaussichten haben sich für Patientinnen mit Brustkrebs, der bereits in andere Organe gestreut hat, in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Dazu hat vor allem die Entwicklung von Wirkstoffen beigetragen, die auf molekularer Ebene wirken und gegen die Tumoren an jeweils ganz spezifischen Angriffspunkten vorgehen. Doch wenn nur wenige Metastasen in anderen Organen vorliegen („Oligometastasierung“), können auch lokale Behandlungen wie die stereotaktische Strahlentherapie gute Wirksamkeit zeigen. Dies geht aus einem Artikel in der Fachzeitschrift Der Onkologe hervor.

Als oligometastasiert (oligo = wenig) gilt eine Brustkrebserkrankung, wenn drei bis fünf Fernmetastasen in maximal zwei Organsystemen zu finden sind. Wenn zum Beispiel einzelne Metastasen in der Lunge, Leber oder Wirbelsäule vorliegen, kann eine sogenannte stereotaktische Strahlentherapie angewendet werden, um die Metastasen zu bestrahlen. Bei dieser Bestrahlungsmethode werden die Strahlen punktgenau in ein bestimmtes Gebiet gelenkt. Dadurch kann in einer Sitzung eine hohe Strahlendosis eingesetzt werden, ohne dass das umliegende gesunde Gewebe geschädigt wird. Außerdem bleibt die Strahlentherapie auf wenige Sitzungen beschränkt, was für die Patientinnen einen echten Zeitgewinn bedeutet. 

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Brustkrebspatientinnen mit Oligometastasen von der stereotaktischen Strahlentherapie profitieren: In vielen Fällen kann über einen langen Zeitraum eine gute Tumorkontrolle erreicht werden. Dies wird einerseits darauf zurückgeführt, dass pro Sitzung eine hohe Einzeldosis an Strahlen zum Einsatz kommt. Andererseits sind die Phasen zwischen den Bestrahlungssitzungen nur kurz, weshalb sich das Tumorgewebe in den Bestrahlungspausen nicht ausreichend erholen kann und deshalb nachhaltig geschädigt wird. 

Die stereotaktische Strahlentherapie gilt als insgesamt gut verträglich. Es wird deshalb derzeit untersucht, ob sie eine grundsätzlich zu empfehlende Ergänzung zur Standardtherapie bei oligometastasiertem Brustkrebs sein könnte. Desweiteren wird vermutet, dass die stereotaktische Strahlentherapie eine stimulierende Wirkung auf das Immunsystem hat. In Studien wird daher getestet, ob sich dieser Effekt durch eine Kombination mit sogenannten Immuncheckpointblockern verstärken lässt.

 

Quelle:

Petersen C & Löser A. Ablative Bestrahlung bei Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom. Der Onkologe, Onlinevorabveröffentlichung am 21. Februar 2020, https://doi.org/10.1007/s00761-020-00723-8

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 30.10.2020 22:09