Bösartige Speiseröhrentumoren: Die genetischen Unterschiede sind groß

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Die genetischen Unterschiede von Plattenepithelkarzinomen und Adenokarzinomen der Speiseröhre sind groß – so groß, dass bei der Suche nach zielgerichteten Therapien durchaus unterschiedliche Wege beschritten werden müssen.

Speiseröhrenkrebs ist nicht gleich Speiseröhrenkrebs – das wissen Experten schon lange. Die Art des Tumors bestimmt sich dadurch, bei welcher Zellart er seinen Ausgangspunkt nimmt, und dies entscheidet auch wesentlich darüber, welche Eigenschaften er hat und welcher Krankheitsverlauf zu erwarten ist. Nun berichten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Nature, dass sich sogenannte Adenkarzinome und Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre offenbar deutlich stärker genetisch unterscheiden, als das bislang angenommen wurde.

Das Adenokarzinom, das sich aus den Drüsenzellen der Schleimhaut entwickelt, entsteht meist im unteren Teil der Speiseröhre – nicht selten auf dem Boden eines sogenannten Barrett-Ösophagus. Dieser ist die Folge einer langjährigen Refluxkrankheit, bei der regelmäßig Speisebrei aus dem Magen zurück in die Speiseröhre fließt („Sodbrennen“). Das Plattenepithelkarzinom hingegen entwickelt sich gemäß seinem Namen aus dem Plattenepithel, der obersten Schicht der Speiseröhrenschleimhaut. Die Tumoren finden sich vor allem im oberen Bereich der Speiseröhre, seine Risikofaktoren ähneln denen von Kopf-Halstumoren, etwa die Kombination von Rauchen und Alkohol.

Die Prognose aller bösartigen Speiseröhrentumoren ist eher ungünstig, weil die Tumoren trotz Operation, Strahlen- und Chemotherapie weiterwachsen. Wissenschaftler sind deshalb auf der Suche nach neuen innovativen Therapieansätzen, die sich gezielt gegen bestimmte Tumoreigenschaften richten. Hierbei kann die Identifizierung der Tumorgene, also der Erbanlagen der Krebszellen, helfen. 

Um dieses Ziel zu erreichen, analysierten Forscher vom TCGA-Netzwerk (The Cancer Genome Atlas) die Genstrukturen von Plattenepithelkarzinomen der Speiseröhre, Adenokarzinomen am Übergang zwischen Speiseöhre und Magen und Adenokarzinomen des Magens. Dabei fanden sie heraus, dass sich Adenokarzinome von Speiseröhre und Magen stark ähneln. Besonders stark ist die Ähnlichkeit der Speiseröhrentumoren zu einem bestimmten Subtyp des Magenkarzinoms, bei dem die Gene für die Wachstumsfaktoren ERBB2 und VEGFA vermehrt aktiv sind. Die Ähnlichkeit zwischen diesen Magentumoren und den Adenokarzinomen der Speiseröhre sei nach Aussage der Studienautoren so stark, dass die Tumoren unter dem Begriff gastro-ösophageales Adenokarzinom zusammengefasst werden sollten.

Auch für das Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre konnten die Forscher anhand der Genkarte eine Subgruppentypisierung vornehmen und Tumorunterarten identifizieren, bei denen bestimmte Gene verstärkt aktiv sind. Das bietet Angriffspunkte für zielgerichtete Therapien, die sich gegen die jeweiligen Bindungsstellen der betreffenden Wachstumsfaktoren richten und diese in ihrer tumorfördernden Wirkung hemmen. So könnte Speiseröhrenkrebs, je nachdem, um welchen Typ es sich handelt, künftig mithilfe zielgerichteter Wirkstoffe im weiteren Wachstum aufgehalten werden.

 

Quellen:

The Cancer Genome Atlas Research Network: Integrated genomic characterization of oesophageal carcinoma. Nature 2017, 541, 169–175

Dt. Ärzteblatt, 5. Januar 2017

 

(kvk)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

 

Mehr zum Thema Speiseröhrenkrebs:

Zurück

Aktualisiert am: 13.12.2017 17:19