Blasenkrebs: Unterstützende Chemotherapie unter Umständen auch nach der Operation

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In bestimmten Fällen kann sich bei lokal fortgeschrittenem Harnblasenkrebs eine adjuvante Chemotherapie nach neoadjuvanter Chemotherapie und Operation lohnen.

Wenn Harnblasenkrebs bei der Diagnose lokal bereits fortgeschritten, also in die Muskelschicht eingewachsen ist, wird vor der Operation gern eine unterstützende, sogenannte neoadjuvante Chemotherapie durchgeführt, um die Heilungsaussichten zu verbessern. Nun testeten Wissenschaftler in einer Studie, ob die Patienten zusätzlich noch von einer unterstützenden Chemotherapie nach dem chirurgischen Eingriff, also einer sogenannten adjuvanten Chemotherapie, profitieren können. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Acta Oncologica veröffentlicht.

In der Studie wurden die Daten von 2.592 Patienten mit neu diagnostiziertem Blasenkrebs ausgewertet. Bei allen war der Tumor in die Muskelschicht der Harnblase eingewachsen, einige hatten bereits einen Befall von Lymphknoten, jedoch hatte sich der Tumor noch bei keinem in andere Organe ausgebreitet. Alle Patienten erhielten eine neoadjuvante Chemotherapie gefolgt von der Operation. Anschließend wurde rund ein Drittel der Patienten mit adjuvanter Chemotherapie behandelt, die übrigen zwei Drittel wurden auf die übliche Weise der Nachsorge zugeführt.

Bei den Patienten, die die adjuvante Therapie erhielten, waren bei der Operation häufiger positive Tumorränder stehengeblieben, d.h. der Tumor war nicht vollständig im gesunden Gewebe entfernt worden. Sie waren außerdem im Durchschnitt jünger. In der Gesamtanalyse aller Patienten gab es keinen Unterschied im Gesamtüberleben zwischen den Patienten, die eine adjuvante Therapie erhalten hatten, und den Patienten, die nur nachbeobachtet worden waren. Jedoch profitierten Patienten, die bereits zwei oder mehr befallene Lymphknoten hatten, und Patienten, bei denen der Tumor bei der Operation nicht vollständig im gesunden Gewebe entfernt worden war, von der zusätzlichen Therapie. Diese Patienten hatten nach der adjuvanten Therapie jeweils ein statistisch signifikant besseres Gesamtüberleben als ohne adjuvante Therapie.

Offenbar können Patienten mit lokal fortgeschrittenem Blasenkrebs von einer adjuvanten Chemotherapie nach neoadjuvanter Chemotherapie und Operation profitieren, wenn sich der Tumor bereits in mehrere Lymphknoten ausgebreitet hat oder bei der Operation nicht restlos entfernt werden kann, so die Interpretation der Studienautoren. Dies müsse nun in vorausplanenden, sogenannten prospektiven Studien überprüft werden.

 

Quelle:

Haque W et al. The role of adjuvant chemotherapy in locally advanced bladder cancer. Acta Oncologica, Onlinevorabveröffentlichung am 11. Dezember 2017, https://doi.org/10.1080/0284186X.2017.1415461

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 15.11.2018 16:15