Bestrahlung von Hirnmetastasen: Welche Intensität ist notwendig?

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Reicht stereotaktische Strahlenchirurgie bei einer bis drei Hirnmetastasen aus oder sollte zusätzlich noch das gesamte Gehirn bestrahlt werden? Dieser Frage gingen Wissenschaftler in einer Studie nach, wobei sie auch die mit der Therapie einhergehenden kognitiven Einschränkungen untersuchten.

Findet nach einer stereotaktischen Strahlenchirurgie von Hirnmetastasen noch eine Bestrahlung des gesamten Gehirns statt, kann die weitere Ausbreitung bösartiger Tumoren im Gehirn in vielen Fällen vorübergehend gestoppt werden. Doch die Therapie hat ihren Preis: Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit sind zu erwarten. Wie Wissenschaftler nun in der Fachzeitschrift JAMA berichteten, sollte bei Patienten mit einer bis drei Hirnmetastasen auf den Einsatz der Ganzhirnbestrahlung eher verzichtet werden.

Die Forscher werteten die Daten von 213 Patienten aus, die an 34 Kliniken in Nordamerika behandelt wurden. Bei allen wurden infolge einer Krebserkrankung eine bis drei Metastasen im Gehirn festgestellt, weshalb sie entweder eine stereotaktische Strahlenchirurgie allein oder eine stereotaktische Strahlentherapie gefolgt von einer Ganzhirnbestrahlung erhielten. Bei der stereotaktischen Strahlenchirurgie werden die Strahlen von mehreren Seiten so gezielt auf die Metastasen gerichtet, dass die Tumoren zerstört werden, während das umgebende Hirngewebe weitgehend verschont bleibt. Die in der Studie bei dieser Behandlung eingesetzte Strahlendosis war, wenn sie die alleinige Therapie blieb, höher als wenn zusätzlich eine Ganzhirnbestrahlung durchgeführt wurde.

Kognitive Einschränkungen – bei Ganzhirnbestrahlung häufiger

Die Patienten waren im Durchschnitt 61 Jahre alt, knapp die Hälfte waren Frauen. Es kam infolge der Behandlung zu Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit – nach drei Monaten häufiger bei kombinierter Behandlung als bei alleiniger stereotaktischer Strahlenchirurgie (92 Prozent versus knapp zwei Drittel der Patienten). Auch nach einem Jahr noch litten die Patienten, die eine Ganzhirnbestrahlung erhalten hatten und noch lebten, häufiger unter kognitiven Einschränkungen. Die Patienten, die nur stereotaktische Strahlenchirurgie erhielten, stuften ihre Lebensqualität höher ein.

Keine Unterschiede im Überleben

Hinsichtlich der Überlebenszeiten jedoch unterschieden sich die beiden Therapieansätze nicht signifikant voneinander – durch die zusätzliche Ganzhirnbestrahlung konnte keine Verbesserung der Überlebenszeiten erreicht werden.

Auf Ganzhirnbestrahlung bei ein bis drei Hirnmetastasen eher verzichten

Bei Patienten mit einer bis drei Hirnmetastasen könne eine zusätzliche Ganzhirnbestrahlung die verbleibende Lebenszeit gegenüber einer alleinigen stereotaktischen Strahlentherapie offenbar nicht verlängern, so die Studienautoren. Sie schränke jedoch die geistige Gesundheit ein, was für die Patienten in ihrer letzten Lebensphase oft eine hohe Belastung sei. Deshalb solle in dieser Situation auf die Ganzhirnbestrahlung eher verzichtet werden.

 

Quelle:

Brown, P. D. et al.: Effect of Radiosurgery Alone vs Radiosurgery With Whole Brain Radiation Therapy on Cognitive Function in Patients With 1 to 3 Brain Metastases. A Randomized Clinical Trial. JAMA 2016, 316(4):401-409

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 26.06.2017 17:24